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Wohnkosten: Fast 90 Prozent der Privatmiete fließen an reichstes Fünftel
Die Statistik Austria veröffentlicht heute Daten zu den Wohnkosten und zur Wohnsituation in Österreich. Wie ungleich die Wohnkostenbelastung verteilt ist, zeigt eine neue Analyse des Momentum Instituts auf Basis von Daten der Household Finance and Consumption Survey (HFCS) der Oesterreichischen Nationalbank. Nur 8,5 Prozent der Haushalte besitzen überhaupt zusätzliche Immobilien, die vermietet werden können. Gleichzeitig fließen 71,6 Prozent der privaten Mieteinnahmen an das reichste Vermögenszehntel.
Zusätzliches Immobilienvermögen ist stark konzentriert
Gut die Hälfte der Haushalte in Österreich (49,1 Prozent) besitzt überhaupt keine Immobilie und wohnt zur Miete. Weitere 42,3 Prozent besitzen ausschließlich ihren Hauptwohnsitz, aber keine weiteren Immobilien. Für diese Haushalte fallen zumindest keine Mietkosten für die eigene Wohnung an. Nur 8,5 Prozent der Haushalte besitzen zusätzliche Immobilien, die auch vermietet werden können.

Doch selbst innerhalb dieser kleinen Gruppe konzentriert sich der Besitz stark:
6,7 Prozent besitzen eine zusätzliche Immobilie
1,3 Prozent (rund 53.000 Haushalte) besitzen zwei weitere Immobilien
0,5 Prozent (etwa 21.000 Haushalte) besitzen drei oder mehr zusätzliche Immobilien
Mieteinnahmen fließen vor allem an die Reichen
Die Einnahmen aus Vermietung sind ähnlich ungleich verteilt wie der Immobilienbesitz selbst:
71,6 Prozent der privaten Mieteinnahmen gehen an das reichste Vermögenszehntel
Weitere 16,6 Prozent an das zweitreichste Zehntel
Damit fließen fast 90 Prozent der privaten Mieteinnahmen an das vermögendste Fünftel der Haushalte. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung erhält hingegen nur 2,4 Prozent der Mieteinnahmen.

„Die hohen Wohnkosten belasten nicht alle Menschen gleich. Wer Immobilien besitzt, spart sich nicht nur die eigenen Mietkosten, sondern verdient zusätzlich an den Mieten anderer. Besonders stark betroffen sind hingegen Haushalte mit niedrigem Einkommen, Arbeitslose oder Alleinerziehende“, sagt Leonard Jüngling, Wohnexperte am Momentum Institut.
Um Wohnen langfristig leistbar zu machen, empfiehlt das Momentum Institut mehrere Maßnahmen:
strengere Mietpreisbremse, die auch im privaten Mietmarkt jährliche Erhöhungen auf maximal zwei Prozent begrenzt
Überarbeitung des Betriebskostenkatalogs, um versteckte Kostensteigerungen einzudämmen
Leerstandsabgaben, um ungenutzten Wohnraum zu aktivieren
Sanierung und Nachverdichtung im Bestand, um zusätzlichen leistbaren Wohnraum zu schaffen
Angesichts der zunehmenden Vermögensungleichheit in Österreich sei zudem die Wiedereinführung einer Vermögens- und Erbschaftssteuer überfällig.