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Weltfrauentag: Unbezahlte Arbeit als Österreichs größter Wirtschaftszweig

Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März analysiert das Momentum Institut, wie stark Österreichs Wirtschaft auf unbezahlte Arbeit von Frauen angewiesen ist – und welche enormen finanziellen Nachteile das für Frauen bedeutet. Damit Frauen kein Schaden aufgrund von geleisteter unbezahlter Arbeit entsteht, empfiehlt die Denkfabrik bei der Kinderbetreuung, der Normalarbeitszeit, sowie bei der Gehaltstransparenz und höheren KV-Mindestlöhnen anzusetzen.

Weltfrauentag: Unbezahlte Arbeit als Österreichs größter Wirtschaftszweig

Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März analysiert das Momentum Institut, wie stark Österreichs Wirtschaft auf unbezahlte Arbeit von Frauen angewiesen ist – und welche enormen finanziellen Nachteile das für Frauen bedeutet. Damit Frauen kein Schaden aufgrund von geleisteter unbezahlter Arbeit entsteht, empfiehlt die Denkfabrik bei der Kinderbetreuung, der Normalarbeitszeit, sowie bei der Gehaltstransparenz und höheren KV-Mindestlöhnen anzusetzen.

Österreich arbeitet jährlich 15,9 Milliarden Stunden. Doch davon sind 8,9 Milliarden Stunden unbezahlt – mehr als in allen Wirtschaftssektoren zusammen. Die Wertschöpfung unbezahlter Arbeit beträgt 100 Milliarden Euro – mehr als der größte Wirtschaftssektor, die Warenherstellung. Von den 100 Milliarden gehen 80 Milliarden Euro auf Hausarbeit (Putzen, Kochen, Einkaufen) und 20 Milliarden Euro auf Care-Arbeit (Kinderbetreuung, Pflege) zurück.

Frauen leisten zwei Drittel der unbezahlten Arbeit im Land – damit tragen sie auch stärker zur Wirtschaftsleistung bei als Männer. Unbezahlte Tätigkeiten machen insgesamt ein Fünftel der Gesamtwertschöpfung aus.

Im BIP ausgedrückt

Gemessen an der Wirtschaftsleistung – dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) – entspricht die unbezahlte Arbeit etwa 23 Prozent. Dabei tragen Frauen zu zwei Drittel und Männer zu einem Drittel zur Wirtschaftsleistung bei.

Das Patriarchat kostet Frauen 28.000 Euro im Jahr

Weil Frauen so viel Zeit mit unbezahlter Arbeit verbringen, fehlt sie für bezahlte Jobs. Die Folge: Einkommensverluste von rund 28.000 Euro pro Jahr.

Das hat erhebliche Auswirkungen auf das Einkommen von Frauen, denn sie arbeiten häufiger in Teilzeit, bekommen dadurch weniger Gehalt und haben später niedrigere Pensionen. Männer etwa verbringen zwei Drittel ihrer Arbeitszeit in bezahlter Erwerbsarbeit – Frauen nur 40 Prozent. Die geschlechtsspezfisiche Pensionslücke beträgt 40 Prozent.

Frauen entlasten heißt Wirtschaft stärken

Ohne die unbezahlte Arbeit von Frauen würde die Gesellschaft nicht funktionieren. Dennoch fehlt jede ernsthafte Strategie, um diese Arbeit fairer zu verteilen. Um dieses Ungleichgewicht in Balance zu bringen empfiehlt das Momentum Institut drei zentrale Hebel. Erstens sollte die Kinderbetreuung ausgebaut werden. Wer kostenlose, ganztägige Kinderbetreuung anbietet, schafft echte Wahlfreiheit. Weiters müssen wir Arbeitszeit neu denken: Ein Rechtsanspruch auf kürzere Vollzeit (30–35 Stunden) würde helfen, bezahlte und unbezahlte Arbeit fairer aufzuteilen. Außerdem helfen mehr Gehaltstransparenz und höhere Mindestlöhne: Denn das reduziert die Lohnlücke und macht ungleiche Bezahlung sichtbar.

“Frauen leisten den Großteil der Arbeit in Österreich – und bekommen dafür oft nichts. Das ist nicht nur unfair, sondern auch wirtschaftlich unsinnig. Ein gerechter Arbeitsmarkt nutzt allen: Unternehmen profitieren, wenn Frauen mehr arbeiten können, der Staat spart langfristig Sozialausgaben, und Familien haben ein höheres Gesamteinkommen”, empfiehlt Katharina Mader, Chefökonomin am Momentum Institut und Expertin in Gleichstellungsfragen.