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Verbund: Österreich-Tarif wird zur Enttäuschung
Der Stromkonzern Verbund hat die Details seines neuen Österreich-Tarifs vorgestellt. Er gilt – unerwarteterweise – nur vorübergehend für ein Jahr. Das Momentum Institut empfiehlt eine deutliche Nachbesserung, damit die Bundesregierung ihr Versprechen von günstigerem Strom einhalten kann.

Im Zuge der Regierungsklausur im Jänner stellten Bundeskanzler Stocker und Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer einen „Österreich-Tarif“ für Strom vor. Unter 10 Cent pro Kilowattstunde solle der Arbeitspreis betragen. Der Tarif solle damit einen Beitrag zur Inflationsbekämpfung leisten.
Der Verbund hat gestern die Tarif-Details bekanntgegeben. Der Strompreis von 9,5 Cent Arbeitspreis pro Kilowattstunde (ohne Umsatzsteuer) gilt für das erste Jahr, und damit nur vorübergehend. Danach bleibt der Österreich-Tarif nicht aufrecht, sondern beträgt 12,50 Cent – deutlich über den versprochenen „unter 10 Cent“.
„Der Verbund degradiert den Österreich-Tarif zur Rabattaktion, die nur ein Jahr gültig ist. Das Versprechen der Bundesregierung nach einem Strompreis unter 10 Cent verkommt zum Marketing-Gag eines Stromkonzerns. Der echte Strompreis bleibt teurer, als es die Kund:innen erwartet hatten“, sagt Oliver Picek, Chefökonom am Momentum Institut.
So schlägt sich der Österreich-Tarif im Vergleich zu den bisherigen Verbund-Angeboten
Im ersten Jahr des Strombezugs wird der Österreich-Tarif (Österreich) um 54 Euro teurer sein als das bisherige Haupt-Angebot des Verbunds (Classic) sein, das schon „Fünf-Monate Gratis Strom“ als Rabattaktion enthielt. Erst im zweiten Jahr nach Ablauf der Bindung können sich Kund:innen 107 Euro pro Jahr ersparen. Erst nach 1 1/2 Jahren sparen sich Verbund Kund:innen somit Geld.
Auch im Vergleich zum bisherigen Fixpreis-Tarif des Verbunds (Relax) ist keine große Ersparnis drinnen. Hier ersparen sich Kund:innen im ersten Jahr 115 Euro. Ab dem zweiten Jahr zahlen die Stromkund:innen des Verbunds allerdings 11 Euro pro Jahr mehr. Nach gut zehn Jahren sind die Verbund Kund:innen damit theoretisch wieder im Minus.
„Sich für günstigen Strom auf gewinnmaximierende Stromkonzerne zu verlassen, ist wie den Wolf die Schafe hüten zu lassen. Der Bundeskanzler sollte ein Machtwort sprechen: Der staatliche Stromkonzern Verbund hat einen ernsthaften, günstigen Strom-Tarif anzubieten. Keine Mogelpackung. Sonst wird die Bundesregierung bei ihrem Ziel scheitern, die Teuerung zu bekämpfen“, so Picek abschließend.
Die Berechnung der jährlichen Einsparungen erfolgt mit dem Energiepreis plus Umsatzsteuer, jedoch ohne Netzkosten und andere Stromabgaben. Zugrunde liegt ein Strom-Jahresverbrauch eines Haushalts mit 3.500 kWh.