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Trend-Reichenliste: 1,3 Millionen Jahre sparen für Österreichs größtes Vermögen
Die neue Reichenliste des Magazins trend zeigt erneut Vermögen, die sich mit Arbeitseinkommen nicht annähernd aufholen lassen. Eine Person mit dem Medien-Nettoeinkommen von unselbständig Beschäftigten (28.506 Euro netto pro Jahr) und unter der unrealistischen Annahme, das gesamte Nettoeinkommen sparen zu können, müsste für das größte Vermögen Österreichs 1,3 Millionen Jahren sparen. Das Gedankenexperiment stellt daher die absolute Untergrenze der benötigen Spardauer dar.

Um heute das Vermögen von Mark Mateschitz (37,5 Milliarden Euro) durch Erwerbsarbeit angespart zu haben, hätte das Sparen vor rund 1,3 Millionen Jahren beginnen müssen, für jenes der Familien Porsche und Piëch (31,0 Milliarden Euro) vor 1,1 Millionen Jahren. Die Erde befand sich damals im frühen Pleistozän. Homo erectus lebte bereits, frühe Menschen breiteten sich in dieser langen Phase erstmals nach Europa aus.¹
Auch die übrigen Vermögen sprengen jeden menschlichen Maßstab: Für Georg Stumpf (7,8 Milliarden Euro) wären 274.000 Jahre nötig, ungefähr aus dieser Zeit stammen die ältesten bekannten Fossilien von frühen Vertreter:innen des Homo Sapiens.² Bei Johann Graf (7,2 Milliarden Euro) sind es 253.000 Jahre, ungefähr das Alter des frühen Homo-sapiens-Funds von Florisbad in Südafrika.³ Für die Wlaschek-Erb:innen (4,9 Milliarden Euro) wären 172.000 Jahre nötig – ungefähr in diese Zeit fällt einer der frühesten bekannten Nachweise von Homo sapiens außerhalb Afrikas.⁴
Reinhold Geiger (4,4 Milliarden Euro) liegt bei 154.000 Jahren, die Familie Lehner (4,3 Milliarden Euro) bei 151.000, die Familie Swarovski (4,2 Milliarden Euro) bei 147.000, die Flick-Erb:innen (4,0 Milliarden Euro) bei 140.000 Jahren und die Familie von Hans-Peter Haselsteiner (3,9 Milliarden Euro) bei 137.000 Jahren. In Europa lebten damals Neanderthaler, bis zu ihrem Verschwinden sollten noch mehr als 100.000 Jahre vergehen.⁵ Als die letzten Wollhaarmammuts auf der Erde vor rund 4.000 Jahren ausstarben, hätte selbst die Sparreise zum zehntgrößten Vermögen bereits etwa 133.000 Jahre gedauert.⁶
„Wer 1,3 Millionen Jahre sparen müsste, sieht sofort: Solche Vermögen können nicht das Ergebnis eines besonders langen Arbeitslebens sein. Sie entstehen durch Besitz, Unternehmensbeteiligungen und Erbschaften und werden unversteuert in Erbdynastien leistungslos weitergereicht“, ortet Barbara Schuster, stellvertretende Chefökonomin am Momentum Institut.
Österreich unter den größten Reichen-Samthandschuhen der OECD
Österreichs Steuerstruktur verstärkt diese Schieflage. Laut OECD entfielen 2024 nur 1 Prozent der gesamten Steuereinnahmen auf vermögensbezogene Steuern; im EU-Schnitt waren es 3,4 Prozent. Österreich lag damit auf Platz 35 von 38 Staaten (nur Litauen, Tschechien und Estland liegen dahinter). Eine Erbschafts- oder Schenkungssteuer gibt es seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr, die Vermögensteuer wird seit 1994 nicht mehr eingehoben. Bei Immobilien fallen lediglich entsprechende Grunderwerbsteuern an und die Bemessungsgrundlage der Grundsteuer ist gänzlich aus der Zeit gefallen. Die OECD hält auch 2026 fest, dass Österreich stark von der Besteuerung von Arbeit abhängt und Vermögen sowie Erbschaften kaum als Steuerbasis nutzt.

„Österreich behandelt Multimillionär:innen und Milliardär:innen mit Samthandschuhen, während Beschäftigte ihre Beiträge automatisch mit jeder Lohnabrechnung leisten. Diese Schieflage ist weder gerecht noch wirtschaftlich sinnvoll“, so Schuster weiter.
Das Momentum Institut empfiehlt die Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie eine wirksame Besteuerung sehr großer Vermögen in Multimillion- und Milliardenhöhe, weiters auch eine Modernisierung der Grundsteuer. Kleine und mittlere Erbschaften sowie das selbst genutzte Eigenheim bleiben durch Freibeträge geschützt. „Es geht nicht um das Einfamilienhaus der Durchschnittsfamilie. Es geht um Milliardenvermögen von Erb-Dynastien, die über Generationen nahezu unversteuert weitergereicht werden. Wer Leistung entlasten will, muss sehr große Vermögen fair beteiligen“, so Schuster abschließend.
Quellen:
¹ Smithsonian Institution, Human Origins Program, Introduction to Human Evolution, https://humanorigins.si.edu/education/introduction-human-evolution (abgerufen am 16. Juli 2026): Frühe Menschen verließen Afrika vor etwa 2,0 bis 1,8 Millionen Jahren und erreichten Europa zwischen etwa 1,5 und 1,0 Millionen Jahren.
² Smithsonian Institution, Human Origins Program, Homo sapiens, https://humanorigins.si.edu/evidence/human-fossils/species/homo-sapiens (abgerufen am 16. Juli 2026): Die ältesten bekannten Fossilien von Homo sapiens sind etwa 300.000 Jahre alt und stammen aus Jebel Irhoud in Marokko.
³ Nature Media, „An early modern human outside Africa“, Nature 571 (2019), https://media.nature.com/original/magazine-assets/d41586-019-02075-9/d41586-019-02075-9.pdf (abgerufen am 16. Juli 2026): Der Fund von Florisbad in Südafrika wird auf ungefähr 260.000 Jahre datiert und als möglicher früher Vertreter von Homo sapiens eingeordnet.
⁴ Früher Homo sapiens außerhalb Afrikas: Hershkovitz et al., The earliest modern humans outside Africa, Science 359, 2018. Der Fund aus der Misliya-Höhle wurde auf 177.000 bis 194.000 Jahre datiert. https://www.science.org/doi/10.1126/science.aap8369
⁵ Smithsonian Institution, Human Origins Program, Homo neanderthalensis, https://humanorigins.si.edu/evidence/human-fossils/species/homo-neanderthalensis (abgerufen am 16. Juli 2026): Neandertaler (Homo neanderthalensis) lebten ungefähr vor 400.000 bis 40.000 Jahren.
⁶ Murchie, Tyler J. et al., „Collapse of the mammoth-steppe in central Yukon as revealed by ancient environmental DNA“, Nature Communications 12 (2021), https://www.nature.com/articles/s41467-021-27439-6 (abgerufen am 16. Juli 2026): Die letzte Population von Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) auf der Wrangelinsel überlebte bis vor ungefähr 4.000 Jahren.