• Momentum News
  • Posts
  • Studie: Medien blenden Profite als Preistreiber systematisch aus

Studie: Medien blenden Profite als Preistreiber systematisch aus

Eine neue Analyse des Momentum Instituts zeigt: Die öffentliche Debatte über Inflation greift zu kurz und verschiebt politische Antworten zulasten der Beschäftigten.

Die öffentliche Debatte über Inflation in Österreich folgte bisher einem einseitigen Drehbuch. Schuld sind vor allem äußere Faktoren wie Energiepreise, Lieferkettenprobleme oder die Geldpolitik. Eine neue Policy Note des Momentum Instituts zeigt nun, dass diese Erzählung zentrale Aspekte unterbeleuchtet, insbesondere die Rolle von Unternehmensgewinnen.

Für die Studie wurden 388 Meinungsartikel aus sieben großen österreichischen Tageszeitungen im Zeitraum 2021 bis 2023 untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Drei Narrative dominieren die Berichterstattung: die Geldmenge, die hohen Energiepreise und Covid-bedingte Lieferkettenprobleme.

„Die gängige Darstellung macht Inflation zu einem externen Schock. Damit erscheint sie als etwas, das quasi von außen über uns hereinbricht und nicht als Ergebnis von wirtschaftlichen Machtverhältnissen“, sagt Barbara Schuster, stellvertretende Chefökonomin am Momentum Institut. Auffällig ist vor allem, was kaum vorkommt: die Rolle von Unternehmen bei der Preisbildung. Das Konzept der sogenannten „Profitinflation“, also steigender Preise durch ausgeweitete Gewinnmargen, ist in der medialen Debatte stark unterrepräsentiert.

Inflationsnarrative im Zeitverlauf. Diese Grafik des Momentum Instituts zeigt, welche Narrative Medien anwenden, wenn sie über die Inflation berichten: Covid Lieferkette, Post-Covid Aufschwung, Geldmenge, Energiepolitik und -preise, Profitinflation, Arbeitsmarkt und Löhne sowie Wohnkosten. Der Untersuchungszeitraum entspricht Januar 2021 bis Dezember 2023.

Aktuelle Entwicklungen zeigen jedoch, wie relevant diese Perspektive ist: Mineralölkonzerne haben die Treibstoffpreise zuletzt deutlich stärker erhöht, als es die Entwicklung der Rohölpreise nahelegen würde. Solche asymmetrischen Preisreaktionen folgen dem Mechanismus der sogenannten „sellers’ inflation“. In Krisensituationen, etwa bei geopolitischen Schocks oder Lieferkettenstörungen, nutzen Unternehmen mit Marktmacht die Unsicherheit, um Preise nicht nur entlang gestiegener Kosten anzupassen, sondern darüber hinaus ihre Gewinnmargen auszuweiten. Preiserhöhungen erfolgen schneller und stärker als Kostensenkungen weitergegeben werden.

Einseitige Narrative führen zu einseitiger Politik

Die Berichterstattung über Inflationsursachen hat weitreichende politische Konsequenzen: Wenn Inflation primär als Geldmengenproblem interpretiert wird, erscheinen Zinserhöhungen als alternativlose Antwort. Andere Maßnahmen, etwa Preisregulierung oder Übergewinnsteuern geraten aus dem Blickfeld. Das Ergebnis: Die Kosten der Inflationsbekämpfung werden ungleich verteilt.

„Beschäftigte zahlen doppelt: zuerst durch steigende Preise, dann durch höhere Zinsen, die Investitionen bremsen und Jobs gefährden“, so Schuster. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von steigenden Margen und höheren Renditen. Die Studie macht deutlich: Inflation ist nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein politisches Phänomen. Wer bestimmt, wie über Inflation gesprochen wird, beeinflusst auch, welche Lösungen als denkbar gelten.

Das Momentum Institut empfiehlt, die folgenden Maßnahmen gegen die Inflation in der Berichterstattung stärker zu berücksichtigen:

  • Direkte Preisinterventionen statt finanzieller Kompensation der Bevölkerung

  • Abschöpfung von Übergewinnen bei Unternehmen mit gestiegenen Margen

  • Erhöhte Preistransparenz zur Identifikation ungerechtfertigter Preiserhöhungen

  • Stärkung des Wettbewerbs statt Duldung von Marktkonzentration

“Statt diesen, im öffentlichen Diskurs marginalisierten Instrumenten, setzte die österreichische Regierung im Beobachtungszeitraum auf Einmalzahlungen – ein Mechanismus, der Steuergeld über den Konsum direkt zu profitierenden Unternehmen umleitet und auf diese Weise die Umverteilung von unten nach oben fortschreibt”, schließt Schuster.