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Sparpaket macht ältere Beschäftigte für Betriebe teurer

Die Bundesregierung kürzt im Zuge des Sparpakets den Dienstgeber:innenbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) um einen Prozentpunkt, der ein Teil des Lohns von Beschäftigten ist. Das kostet den Staat pro Jahr zwei Milliarden Euro – mehr als ein Drittel des Sparbedarfs für 2027/28. Was als Entlastung für Betriebe verkauft wird, hat eine problematische Nebenwirkung: Bisher musste für Arbeitnehmer:innen über 60 Jahre kein FLAF-Beitrag geleistet werden, diese Befreiung fällt jedoch ab 2028. Nachdem der Beitragssatz in Zukunft für alle Beschäftigten die verminderten 2,7 Prozent beträgt, werden ältere Beschäftigte für Unternehmen teurer als bisher. Das zeigt eine Analyse des Momentum Instituts.

Ausgangspunkt für die Analyse ist ein Bruttojahreseinkommen von 38.619 Euro. Bei Beschäftigten unter 60 Jahren sinkt das sogenannte Superbrutto (Bruttoeinkommen plus Lohnnebenkosten) durch die Kürzung von 50.000 auf 49.614 Euro. Für Unternehmen bedeutet das 386 Euro weniger Lohnnebenkosten. Anders ist die Wirkung bei älteren Beschäftigten. Ein 63-jähriger Beschäftigter mit demselben Bruttoeinkommen kostet einen Betrieb derzeit 46.841 Euro. Nach der Umsetzung der Maßnahme steigt dieser Betrag auf 49.189 Euro. Das entspricht einer Verteuerung um 2.348 Euro. Der Grund: Für ältere Beschäftigte gelten bisher Befreiungen bei bestimmten Dienstgeber:innenbeiträgen. Diese Entlastung wird durch die geplante Umschichtung weitgehend zurückgenommen. Der Kostenvorteil von älteren Beschäftigten für Unternehmen schrumpft dadurch deutlich.

„Die Regierung will, dass Menschen länger arbeiten. Gleichzeitig macht sie ältere Beschäftigte für Betriebe teurer. Das ist arbeitsmarktpolitisch der falsche Anreiz“, ortet Barbara Schuster, stv. Chefökonomin am Momentum Institut.

Höchste Arbeitslosigkeit bei Menschen 60+

Besonders problematisch ist das vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit kurz vor dem Pensionsalter. Die Arbeitslosenquote steigt bei Männern mit dem Alter deutlich an. In der Gruppe der 45- bis 57-Jährigen liegt sie bei 7,0 Prozent, bei 60-Jährigen bereits bei 10,8 Prozent. Bei 61-Jährigen beträgt sie 12,7 Prozent, bei 62-Jährigen 13,1 Prozent. Den höchsten Wert erreichen Männer mit 64 Jahren: 15,6 Prozent.

Bei Frauen zeigt sich der höchste Wert mit 9,8 Prozent im Alter von 61 Jahren. Danach fällt die Arbeitslosenquote deutlich ab, weil viele Frauen bereits in Pension gehen können. Die Grafik verdeutlicht: Wer kurz vor der Pension arbeitslos wird, hat besonders schlechte Chancen auf einen neuen Job. „Ältere Arbeitslose haben es am Arbeitsmarkt schon jetzt schwer. Wer ihre Beschäftigung für Betriebe verteuert, verschärft ein bestehendes Problem“, so Schuster weiter. Laut Älterenbeschäftigungsmonitoring 2025 hatten 81 Prozent der Betriebe keine einzige beschäftigte Person im Alter von mehr als 60 Jahren.

Aus Sicht des Momentum Instituts ist die geplante Maßnahme somit doppelt problematisch. Einerseits wird die Finanzierung des Familienlastenausgleichsfonds geschwächt. Dieser Fonds finanziert zentrale Familienleistungen. Andererseits wird die Gegenfinanzierung ausgerechnet bei einer Gruppe gesucht, die am Arbeitsmarkt ohnehin benachteiligt ist. „Statt Steuergeld dort einzusetzen, wo Menschen ohnehin weiterarbeiten, sollte die Politik jene unterstützen, die vor der Pension keine Arbeit mehr finden. Wer längeres Arbeiten politisch will, muss Beschäftigung im höheren Alter erleichtern – nicht verteuern“, so Schuster abschließend.

Das Momentum Institut empfiehlt gezielte Eingliederungshilfen, direkte Beschäftigungsprogramme und Anreize für Betriebe, ältere Beschäftigte tatsächlich einzustellen.