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Sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz kostet 2 Milliarden Euro
Sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz ist kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen. Eine aktuelle Analyse des Momentum Instituts auf Basis der European Working Conditions Survey 2024 zeigt: 20,3 Prozent der Frauen in Österreich waren im vergangenen Jahr von Belästigung am Arbeitsplatz betroffen. 5,3 Prozent erlebten sexualisierte Belästigung. Die daraus resultierenden Folgekosten belaufen sich auf rund 2 Milliarden Euro jährlich.
„Sexualisierte Belästigung ist nicht nur ein individuelles Leid, sondern auch ein massiver wirtschaftlicher Schaden. Wer betroffen ist, leidet häufiger unter gesundheitlichen Problemen, reduziert Arbeitszeit oder fällt ganz aus dem Erwerbsleben. Das hat direkte Kosten für Unternehmen und die gesamte Volkswirtschaft“, so Sophie Achleitner, Expertin für Gleichstellung am Momentum Institut.

Hohe volkswirtschaftliche Folgekosten
Studien zeigen, dass die Produktivität von Opfern sexualisierter Belästigung am Arbeitsplatz in etwa um 43 Prozent zurückgeht. Durch häufigere Abwesenheiten, Krankenstände, psychische Belastungen sowie reduzierte Erwerbsbeteiligung, entstehen in Österreich jährliche Kosten (Produktivitätsverluste) von rund 2 Milliarden Euro. Sexualisierte Belästigung ist damit nicht nur ein Gleichstellungsproblem, sondern auch ein klar messbares ökonomisches Risiko.
Jede 20. Frau in Österreich erfährt sexualisierte Belästigung im Job
Der Blick auf Europa zeigt: Belästigung gehört für viele Frauen zum Berufsalltag. Im Schnitt berichtet jede fünfte Frau in der EU von entsprechenden Erfahrungen. Die Bandbreite reicht von verbalen Übergriffen und erniedrigendem Verhalten über Mobbing bis hin zu Bedrohungen und körperlicher Gewalt.
Sexualisierte Belästigung umfasst dabei nicht nur körperliche Übergriffe, sondern beginnt bereits bei unerwünschter sexueller Aufmerksamkeit, etwa anzüglichen Kommentaren, unangemessenen Nachrichten oder aufdringlichem Verhalten. Diese breitere Definition ist entscheidend, weil viele Grenzüberschreitungen unterhalb der Schwelle körperlicher Gewalt stattfinden, aber dennoch gravierende Auswirkungen haben.
Auch in Österreich zeigt sich dieses Bild deutlich: Rund 20 Prozent der Frauen berichten von Belästigung im Arbeitskontext, jede zwanzigste Frau (5 Prozent) von sexualisierter Belästigung.
Im europäischen Vergleich liegen die höchsten Werte in den Niederlanden und Finnland, wo rund 10 Prozent der Frauen von unerwünschtem sexualisiertem Verhalten am Arbeitsplatz berichten. In Ländern wie Spanien, Malta, Bulgarien oder Zypern ist es hingegen rund 1 Prozent. Diese Unterschiede lassen sich jedoch nicht ausschließlich durch tatsächliche Häufigkeiten erklären, sondern hängen auch mit Wahrnehmung und Meldeverhalten zusammen. Studien zeigen, dass in Ländern mit stärker ausgeprägter Gleichstellungspolitik, etwa in Nordeuropa, problematisches Verhalten häufiger als sexualisierte Belästigung erkannt und benannt wird.

Belastung trifft besonders vulnerable Gruppen
Besonders häufig betroffen sind junge Frauen am Beginn ihrer Erwerbskarriere. Bei den unter 35-Jährigen berichten rund 10 Prozent von sexualisierter Belästigung im letzten Jahr, mehr als dreimal so viele wie bei Frauen über 35 (3,1 Prozent).
Auch der Bildungshintergrund spielt eine Rolle: Frauen mit niedriger formaler Bildung sind überdurchschnittlich häufig von sexualisierter Belästigung betroffen. Gebildete Frauen berichten hingegen häufiger von anderen Formen der Belästigung wie verbalen Übergriffen, Mobbing oder erniedrigendem Verhalten.
Auffällig ist zudem der Zusammenhang mit finanzieller Belastung: Mehr als jede zehnte Frau, die sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz erlebt hat, gibt an, Schwierigkeiten zu haben, finanziell über die Runden zu kommen. Bezieht man weitere Formen von Belästigung ein, betrifft das sogar mehr als jede dritte Frau.
Handlungsbedarf bleibt hoch
Die Daten zeigen deutlich: Sexualisierte Belästigung ist weit verbreitet, trifft bestimmte Gruppen besonders stark und verursacht hohe individuelle wie gesellschaftliche Kosten. Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Teil der Vorfälle unsichtbar, da Betroffene aus Angst vor Konsequenzen oder fehlendem Vertrauen in Meldesysteme häufig nicht berichten. Das Momentum Institut empfiehlt daher stärkere Präventionsmaßnahmen in Betrieben, klare Meldewege sowie konsequente arbeitsrechtliche Sanktionen bei Übergriffen.