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Schulstartgeld 2025: Knapp ein Viertel Wertverlust

Seit 2011 hat das Schulstartgeld um knapp ein Viertel (23 Prozent) an Kaufkraft verloren. Das Schulstartgeld deckt kaum die tatsächlichen Ausgaben für Schulstart-Artikel. Nicht einmal eine Schultasche kann um das Schulstartgeld gekauft werden, ganz abgesehen von den gesamten jährlichen Schul- und Betreuungskosten, wie das Momentum Institut in einer neuen Policy Note zeigt. Die Denkfabrik empfiehlt die Erhöhung des Schulstartgeldes, eine Ausweitung des Geltungsbereichs auf 18-Jährige in Ausbildung, sowie eine kostenlose Nachmittagsbetreuung und den Ausbau der Ganztagesschule.

Etwa 900.300 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 15 Jahren erhalten das Schulstartgeld, das im August gemeinsam mit der Familienbeihilfe ausgezahlt wird. Seit der Einführung 2011 wurden jährlich 100 Euro pro Kind ausbezahlt. 2023 wurde das Schulstartgeld erstmals mit den Sozialleistungen valorisiert und wächst seither mit der Teuerung mit. 2023 wurden 105,80 Euro Schulstartgeld ausgezahlt, im Jahr darauf waren es 116,10 Euro. Heuer beträgt das Schulstartgeld 121,40 Euro. Ab 2026 setzt die Regierung die Anpassung an die Inflation wieder aus. Grund dafür sind die beschlossenen Sparmaßnahmen der Bundesregierung: Sozial- und Familienleistungen werden für zwei Jahre (2026 & 2027) eingefroren.

Wertverlust weiterhin nicht aufgeholt

Der Wertverlust, der in den letzten 14 Jahren vor der jährlichen Inflationsanpassung entstanden ist, wurde nie wett gemacht. Der Wertverlust wurde durch die Erhöhungen des Schulstartgeldes seit 2023 etwas gedämpft – aktuell können sich Eltern und Schüler:innen mit den ursprünglichen 100 Euro lediglich Schulwaren im Wert von 77 Euro darum kaufen. Das ist ein Kaufkraftverlust beim Schulstartgeld von 23 Prozent bzw. knapp einem Viertel seit 2011.

23 Prozent Wertverlust beim Schulstartgeld. Statt 100 Euro können sich Schüler:innen nur noch Schulwaren im Wert von 77 Euro leisten. Die Grafik wie viel von den 100 Euro Schulstartgeld die damals 2011 eingeführt wurden, heute noch wert sind. Dabei wurde die Inflation seit 2011 und die erfolgten Erhöhungen des Schulstartgelds berücksichtigt.

37 Euro mehr nötig um auf 2011-Niveau zu kommen

Hätte man das Schulstartgeld seit der Einführung im Jahr 2011 jährlich an die Teuerung angepasst, wären es im heurigen Jahr 158 Euro – also 37 Euro mehr. Wird die Inflationsanpassung 2026 und 2027 erneut ausgesetzt, wird diese Lücke noch größer.

Schulstartgeld müsste um 37 Euro höher sein. Das Schulstartgeld sollte eigentlich 158 Euro pro Schüler:in betragen. Die Grafik zeigt die Entwicklung des Schulstartgelds seit 2011 ohne Inflationsanpassung, wie hoch das Startgeld mit Inflationsanpassung eigentlich sein sollte und um wie viel es seit 2023 tatsächlich erhöht wurde.

Schulstartgeld weit unter Kosten für Schulstart

“Wer Kinder im Schulalter hat, weiß, dass 121,40 Euro einmal jährlich bei weitem nicht die Kosten decken, die beim Schulstart tatsächlich anfallen. Da reden wir noch gar nicht von den Gesamtkosten über das Schuljahr hinweg”, gibt Sophie Achleitner, Ökonomin am Momentum Institut, zu bedenken. Die Arbeiterkammer erstellt jedes Jahr einen Preisvergleich für Schulartikel. Dieser zeigt, dass die tatsächlichen Ausgaben für Füllfedern, Federpennale, Blei- und Buntstifte sowie Mal- und Zeichenzubehör, Hefte und Schultaschen die 121,40 Euro Schulstartgeld deutlich übersteigen: Allein für eine Schultasche müssen Eltern im Schnitt 150 Euro bezahlen. Diese ist in den meisten Fällen dann noch leer. Mindestens 100 Euro für weitere Schulmaterialien wie Hefte, Stifte und Malsachen kommen noch dazu.

https://wien.arbeiterkammer.at/service/presse/Schulartikel-Preisvergleich-Juli-2025.pdf

Ausgaben für Turnsackerl und -kleidung, Jausenbox, Trinkflasche oder Hausschuhe für die Schule sind hier ebenfalls nicht abgedeckt.

Viele Kinder freuen sich auf ihren allerersten Schultag – aber auch bei Schultüten müssen Eltern immer tiefer in die Taschen greifen. Für jene, die vorrangig mit Schokolade und Süßigkeiten befüllt sind, wird es auch aufgrund der Preissteigerungen bei Kakao und Schokolade (+ 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) heuer besonders teuer.

Kosten für Schulmaterialien und Betreuung enorme Belastung

Die Schuldenberatung erstellt jährlich „Referenzbudgets“, sie schlüsseln auf, was Familien monatlich für Kinder und Jugendliche im Jahr 2025 ausgeben müssen. Neben anteiligen Wohn-, Strom-, und Heizkosten sowie Ausgaben für Handy, Internet oder den öffentlichen Verkehr werden auch Schulkosten inklusive Materialien sowie (Nachmittags)betreuungs- und Mittagessenskosten erhoben. Ein 7-jähriges Kind braucht für die Schule etwa 34 Euro monatlich, also knapp 410 Euro jährlich – etwa für den Nachkauf von Heften, Stiften, oder Tintenpatronen, aber auch für Kopiergeld oder für Schulausflüge. Bei 14-jährigen Jugendlichen sind die Kosten schon deutlich höher: Monatlich fallen hier 53 Euro an, aufs Jahr gerechnet sind das 636 Euro.

Was Schule kostet: Um die Schulkosten von 7-Jährigen zu decken, müsste das Schulstartgeld mehr als 3-mal so hoch sein. Bei Jugendlichen müsste es sogar mehr als 5-mal so hoch sein.

Für jüngere Kinder im Volksschulalter fallen zudem häufiger Betreuungskosten an – auch das kommt teuer: Monatlich fallen etwa 219 Euro für Nachmittagsbetreuung an – im Jahr sind das mehr als 2.600 Euro. “Insgesamt belaufen sich die Kosten für Schulmaterialien und Betreuung für Kinder im Volksschulalter also auf etwa 3.000 Euro jährlich. Die 121,40 Euro „Schulstart-Spritze“ decken von den Gesamtkosten gerade einmal 4 Prozent”, so Achleitner abschließend.

Das Momentum Institut empfiehlt, den Wertverlust auszugleichen und das Schulstartgeld auf mindestens 160 Euro anzuheben. Weiters sollte der Geltungsbereich für die Auszahlung um 15- bis 18-Jährige in Ausbildung erweitert werden. Aktuell kommt das Schulstartgeld nur 6- bis 15-Jährigen zugute. Um Eltern weiter zu entlasten und auch die laufenden Kosten für Schule und Betreuungsleistungen zu dämpfen, sollte eine kostenlose Nachmittagsbetreuung angeboten werden. Das hilft vor allem einkommensärmeren Familien und Alleinerziehenden, die sich keine Betreuung leisten können, und ermöglicht insbesondere Müttern, mehr Wochenstunden einer bezahlten Arbeit nachzugehen, da es überwiegend sie sind, die aufgrund der Kinderbetreuung nur in Teilzeit arbeiten können. Ergänzend dazu braucht es einen Ausbau der Ganztagsschulen, der nicht nur Betreuungskosten senkt, sondern auch den Bedarf an kostenintensiver Nachhilfe reduziert und damit Familien spürbar entlastet.

Die neue Policy Note “Schulstartgeld 2025: Fast ein Viertel Wertverlust” gibt es hier. Zum Download.