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Arbeitsmarkt friert ein: Jobchancen fast auf Corona-Niveau
Der österreichische Arbeitsmarkt friert ein. Arbeitslose schaffen den Sprung zurück in Beschäftigung inzwischen fast so selten wie während der Corona-Krise. Im Jahresdurchschnitt von August 2025 bis Juli 2026 liegt die Quote der Arbeitsaufnahmen aus der Arbeitslosigkeit bei nur noch 10,9 Prozent. Im Corona-Jahr 2020/21 waren es 10,5 Prozent. Das zeigt eine neue Auswertung des Momentum Instituts auf Basis der Arbeitsmarktdatenbank.
Für junge Menschen ist die Lage inzwischen sogar schlechter als während der Pandemie: Bei den unter 25-Jährigen liegt die Quote der Arbeitsaufnahmen aktuell bei 10,3 Prozent. Im Corona-Jahr waren es 11,5 Prozent. Seit Beginn der ausgewerteten Zeitreihe 2007/08 war der Wert für Junge noch nie so niedrig. “Corona hat den Arbeitsmarkt zeitweise zum Stillstand gebracht. Heute sind die Chancen, aus der Arbeitslosigkeit wieder einen Job aufzunehmen, fast wieder auf diesem Niveau. Für junge Arbeitslose ist die Situation sogar schlechter als während der Pandemie. Der Arbeitsmarkt friert ein”, sagt Nicolas Prinz, Arbeitsmarkt-Ökonom am Momentum Institut.

Der Einbruch bei jungen Menschen ist besonders deutlich. 2007/08 kamen die Arbeitsaufnahmen der unter 25-Jährigen noch auf 17,3 Prozent des Arbeitslosenbestands. 2015/16 waren es 11,4 Prozent. Während der Corona-Krise fiel die Quote auf 11,5 Prozent. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung ist sie nun auf den historischen Tiefstwert von 10,3 Prozent gesunken.
Fast so wenig Bewegung wie während Corona
Auch der Blick auf alle Arbeitslosen zeigt, wie ungewöhnlich schwach die Arbeitsmarktdynamik geworden ist. Die Arbeitsaufnahmequote liegt aktuell bei 10,9 Prozent. Nur während der Konjunkturschwäche 2015/16 und des Corona-Jahres 2020/21 war sie mit 10,7 Prozent bzw. 10,5 Prozent noch niedriger. Zum Vergleich: 2007/08 lag die Quote bei 16,1 Prozent, 2009/10 bei 14,7 Prozent. Nach dem Corona-Einbruch erholte sie sich zunächst deutlich. Seit 2022 geht es wieder bergab.

Auch höhere Bildung schützt immer weniger vor dem schwachen Arbeitsmarkt. Bei Menschen mit höherer beziehungsweise akademischer Ausbildung liegt die Quote der Arbeitsaufnahmen aktuell bei 10,3 Prozent und damit auf dem niedrigsten Niveau seit 2007/08.
Der Befund zeigt sich auch bei Frauen besonders stark. Ihre Arbeitsaufnahmequote liegt aktuell bei 9,3 Prozent. Nur während Corona war sie mit 8,8 Prozent noch niedriger. Bei Männern beträgt die Quote derzeit 12,3 Prozent, gegenüber 11,9 Prozent während der Corona-Krise.
141.381 Menschen bereits langzeitbeschäftigungslos
Die fehlende Bewegung am Arbeitsmarkt hinterlässt Spuren. Im Juli 2026 waren 141.381 Menschen langzeitbeschäftigungslos. Nach dem Rückgang in den Jahren nach der Pandemie steigt die Langzeitbeschäftigungslosigkeit seit 2024 wieder deutlich. “Wenn immer weniger Menschen aus der Arbeitslosigkeit in einen Job wechseln, bleibt Arbeitslosigkeit länger bestehen. Das ist der gefährliche Teil der aktuellen Entwicklung. Aus einer schwachen Konjunktur kann sich verfestigte Arbeitslosigkeit entwickeln”, erklärt Prinz.
Das Momentum Institut empfiehlt deshalb, die aktive Arbeitsmarktpolitik stärker auf den Wiedereinstieg in Beschäftigung auszurichten. Besonders junge Menschen und bereits länger Arbeitslose brauchen bessere Möglichkeiten, wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. “Die Antwort auf einen eingefrorenen Arbeitsmarkt kann nicht sein, den Druck auf Arbeitslose zu erhöhen. Wenn Jobs fehlen und die Übergänge in Beschäftigung einbrechen, braucht es mehr Wege in Arbeit”, sagt Prinz.