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OMV-Quartalszahlen: Ölkonzern profitiert erneut von geopolitischen Krisen
Die OMV hat auch im zweiten Quartal 2026 hohe Gewinne erzielt, bereits im ersten Halbjahr überholt sie die Jahresgewinne aus den Vorjahren. Geopolitische Krisen sorgen weiterhin für hohe Gewinne im Öl- und Gasgeschäft, wie das Momentum Institut in einer Aussendung zeigt. Besonders auffällig sind erneut die Raffinerie-Margen. Weiters zeigt die Denkfabrik, wie seit Ausbruch der Kampfhandlungen im Iran die Preise für Kraftstoffe, wie Benzin oder Diesel, schlagartig zu den stärksten Inflationstreibern werden.
Die OMV verzeichnet bereits im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 2,26 Milliarden Euro und hat damit schon zur Jahresmitte die gesamten Jahresgewinne der Jahre 2023 (1,92 Mrd. Euro), 2024 (2,02 Mrd. Euro) und 2025 (1,52 Mrd. Euro) deutlich übertroffen. Im Vergleich zu den Gewinnen im Vier-Jahres-Schnitt aus dem Vorkrisenzeitraum (2018-2021) in Höhe von 2,11 Milliarden Euro, hat der Ölkonzern bereits nach dem ersten Halbjahr einen Übergewinn* in Höhe von 150 Millionen Euro.

„Die aktuellen Quartalszahlen zeigen, dass außergewöhnlich hohe Gewinne im Ölgeschäft weiterhin am Programm stehen. Während viele Haushalte wieder höhere Preise an der Tankstelle bezahlen, steigen gleichzeitig die Margen der Raffinerien kräftig an", sagt Leonard Jüngling, Ökonom am Momentum Institut.
Raffinerie-Margen wieder fast auf Rekordniveau
Die europäische Raffinerie-Marge, die auch die OMV in ihren Quartalsberichten ausweist, ist im zweiten Quartal 2026 erneut auf ihren Höchstwert von vor vier Jahren gestiegen. Damals begann der russische Angriff auf die Ukraine. Die Raffinerie-Marge zeigt, wie viel Raffinerien zusätzlich auf den Rohölpreis aufschlagen.

Vor dem Ukraine-Krieg bewegten sich die Raffinerie-Margen über Jahre auf niedrigem Niveau. Zwischen Anfang 2018 und Ende 2021 betrugen sie durchschnittlich lediglich 2,5 US-Cent pro Liter. Mit Beginn des russischen Angriffskriegs stiegen sie im zweiten Quartal 2022 sprunghaft auf 12,87 US-Cent. Bis zum dritten Quartal 2024 gingen sie wieder auf 3,14 US-Cent zurück. Seit der Eskalation des Konflikts zwischen Israel und Iran haben die Margen jedoch erneut massiv angezogen und liegen nun im zweiten Quartal 2026 bei 12,79 US-Cent pro Liter. Europäische Raffinerien verlangen damit wieder mehr als das Fünffache der Aufschläge, die vor dem Ukraine-Krieg üblich waren.
„Die Verlängerung der Spritpreisbremse, die ausschließlich auf einer Senkung der Mineralölsteuer beruht, ist deshalb eine herbe Enttäuschung. Sie bekämpft nicht die Ursache der hohen Preise. Wenn Raffinerien ihre Margen innerhalb kurzer Zeit vervielfachen können, braucht es wirksame Instrumente, um überhöhte Preisaufschläge zu verhindern“, gibt Jüngling zu bedenken.
Kraftstoffe treiben Inflation
Während zu Jahresbeginn noch Gastronomie, Mieten und einzelne Konsumgüter den größten Einfluss auf die Teuerung hatten, übernehmen ab März Ölprodukte die Spitzenplätze. Die Analyse zeigt den sprunghaften Anstieg der Treibstoffpreise nach Beginn des Iran-Kriegs: Vor allem Diesel steigt innerhalb kurzer Zeit zum stärksten Treiber der Inflationsrate auf und bleibt bis Mai auf Platz eins. Auch Benzin und Heizöl rücken in die Top-5 der einflussreichsten Kategorien vor.

Die Auswertung verdeutlicht, wie rasch geopolitische Krisen über die Energiemärkte auf die Inflation durchschlagen. Mit dem Beginn der Kampfhandlungen im Iran schnellt der Einfluss von Ölprodukten auf die Gesamtinflation nach oben. Auch Heizöl war im Mai noch unter den fünf stärksten Treibern und im Juni auf Rang 8. Im Juni betrug der Anteil von Ölprodukten (Benzin, Diesel, Heizöl) mit 0,60 Prozentpunkten rund ein Fünftel von der Gesamtinflation in Höhe von 3,2 Prozent.
Kurzfristig Margendeckel, langfristig weniger Abhängigkeit
Das Momentum Instituts empfiehlt Österreich wieder zeitlich befristet einen Margendeckel von zumindest 10 Cent einzuführen, auch für Heizöl braucht es einen Deckel. Damit könnten außergewöhnlich hohe Raffinerie-Aufschläge begrenzt und Preisspitzen an den Zapfsäulen und in der kommenden Heizsaison im Herbst rasch abgefedert werden.
Langfristig reicht das aber nicht aus. Österreich muss seine Abhängigkeit von Öl und Gas verringern. Dazu braucht es unter anderem einen rascheren Ausbau des öffentlichen Verkehrs, den Umstieg auf klimafreundliche Mobilität, mehr erneuerbare Energien und den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen. Nur so wird Österreich dauerhaft weniger anfällig für internationale Öl- und Gaskrisen. Gleichzeitig sollte die Bundesregierung evaluieren, ob die bestehende Übergewinnbesteuerung tatsächlich wirksam genug ausgestaltet ist, um außergewöhnliche Krisengewinne angemessen zu erfassen und einen fairen Beitrag zum Gemeinwesen sicherzustellen.
*Übergewinn ist definiert als Nettogewinn abzüglich des jährlichen Gewinns im Vier-Jahresschnitt.