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Muttertag: Teilzeit-Zwang & Sparpaket verschärft Mütter-Benachteiligung
Österreichs Mütter haben die höchste Teilzeitquote aller EU-Staaten, wie das Momentum Institut in einer Aussendung zeigt. Das ist kein Zufall – sondern das Ergebnis fehlender Betreuungsinfrastruktur und ungleich verteilter Sorgearbeit. Das Sparpaket der Bundesregierung, das vergangene Woche präsentiert wurde, verschärft die Lage von Müttern zusätzlich.
Sperrfrist: Samstag, 9. Mai 2026 - 5 Uhr (frei für Print-Wochenendausgabe)
Österreich: Schlusslicht beim Vollzeitanteil von Müttern
Sieben von zehn Müttern in Österreich arbeiten Teilzeit. Mit einer Quote von 69 Prozent liegt Österreich an der Spitze aller EU-Mitgliedstaaten – mehr als doppelt so hoch wie der EU-Schnitt von 32 Prozent. Selbst die Niederlande und Deutschland, die ebenfalls hohe Teilzeitquoten aufweisen, kommen auf je 66 Prozent. Auf dem 4. Platz liegt Belgien, allerdings mit einer Quote von 40 Prozent deutlich unter jener der Listenersten. Betrachtet wurden Personen zwischen 25 und 54 Jahren mit Kindern im Haushalt.

Besonders auffällig ist: In Österreich beträgt der Unterschied in der Teilzeitquote zwischen Müttern und Frauen ohne Kinder (im Haushalt) 37 Prozentpunkte – die größte Differenz in ganz Europa. Zum Vergleich im EU27-Schnitt liegt der Unterschied zwischen Frauen, die ohne Kind im Haushalt leben und Müttern in Teilzeit nur bei 13 Prozentpunkten. Das bedeutet: Kinder verändern das Erwerbsleben von Frauen in Österreich dramatisch. Bei Männern passiert das schlicht nicht. „Das ist keine individuelle Entscheidung, sondern strukturelle Versäumnisse zwingen Frauen und Mütter oft in Teilzeitarbeit. Österreich hat ein System gebaut, das Mütter systematisch aus dem Erwerbsleben drängt", so Sophie Achleitner, Gleichstellungsexpertin am Momentum Institut.

In Österreich stellen familiäre Motive den Hauptgrund bei Frauen für Teilzeit dar: Betreuungspflichten machen fast die Hälfte (48 Prozent) aller genannten Gründe aus, im EU-Schnitt sind es nur 33 Prozent. Das verweist direkt auf den chronischen Mangel an (leistbaren) Kinderbetreuungsplätzen, die mit Vollzeitarbeit vereinbar sind, und die nach wie vor ungleiche Aufteilung unbezahlter Arbeit. „Solange sich daran nichts ändert, ist Teilzeit für Mütter in Österreich keine Wahl, sondern oft die einzige Option“, so Achleitner weiter. Bei Männern in Österreich sind ‚andere persönliche Gründe‘ mit 31 Prozent das wichtigste Motiv für Teilzeitarbeit, im EU27-Schnitt ist der Grund, dass kein Vollzeitjob gefunden wurde (26 Prozent).
Sparpaket trifft Frauen und Familien überproportional
Was strukturell schon schief hängt, wird durch das Sparpaket der Bundesregierung weiter verschärft. Der fehlende Teuerungsausgleich bei den Familienleistungen kostet Familien real jedes Jahr immer mehr Geld.

Eine Familie mit einem Kind verliert 2027 zunächst 146 Euro pro Jahr, 2028 steigt dieser Verlust auf 206 Euro. Bei zwei Kindern sind es bis zu 425 Euro jährlich, bei drei Kindern 668 Euro. Familien mit vier oder fünf Kindern verlieren bis zu 918 bzw. 1.170 Euro pro Jahr, zusammengesetzt aus fehlender Anpassung von Familienbeihilfe, Kinderabsetzbetrag und Schulstartgeld.
Diese Einschnitte treffen überproportional Mütter: Das Aussetzen des Teuerungsausgleichs bei der Familienbeihilfe belastet Frauen zu 55 Prozent. Beim Kinderbetreuungsgeld, das zu 99 Prozent von Frauen bezogen wird, gehen die Einsparungen fast vollständig zulasten von Müttern. Auch beim Kinderabsetzbetrag sind Mütter mit 54 Prozent die Hauptbetroffenen. Für Alleinerziehende – mehrheitlich Frauen – ist die Lage besonders ernst: Sozialleistungen machen rund 26 Prozent ihres gesamten Netto-Äquivalenzeinkommens aus. Jede Kürzung trifft sie existenziell. Obendrauf kommt die geplante Anhebung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags für Teilzeitbeschäftigte und Geringbezahlte – also genau jene Gruppe, der es ohnehin schon an Stunden, Einkommen und Absicherung fehlt.
„Das Sparpaket und seine Folgen für Familien und Mütter sind sozialpolitisch rückwärtsgewandt. Es bestraft Menschen, die wegen fehlender Infrastruktur wie mangelnder Kinderbetreuung oder anderer Gründe zur Teilzeit gezwungen sind, statt die Ursachen nachhaltig zu beheben“, so Achleitner abschließend.
Handlungsempfehlungen
Um die Ungerechtigkeit bei der unbezahlten Sorgearbeit zu beenden und Mütter vor den Folgen struktureller Versäumnisse zu schützen, empfiehlt das Momentum Institut von Schlechterstellungen bei Teilzeitkräften und Geringbezahlten gänzlich abzusehen. Weiters sollten zudem alle Familienleistungen automatisch an die Inflation angepasst werden, um reale Kaufkraftverluste zu verhindern. Um die bezahlte und unbezahlte Arbeit zwischen Eltern gerechter und nachhaltiger aufzuteilen, empfiehlt die Denkfabrik einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose und flächendeckende Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr. Ergänzend soll die Normalarbeitszeit schrittweise bei vollem Lohnausgleich auf 30 Stunden verkürzt werden, um Vätern mehr Zeit für die Familie zu geben. Weiters kann eine verpflichtende Väterkarenz dabei helfen, dass Männer langfristig mehr Verantwortung übernehmen.