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Moderne Tempolimits reduzieren Verkehrstote, Spritverbrauch und Emissionen
Niedrigere Tempolimits können die Zahl der Verkehrstoten und der Schwerverletzten deutlich senken, wie eine neue Analyse des Momentum Instituts zeigt. Darüber hinaus reduzieren niedrigere Tempolimits gleichzeitig den Spritverbrauch und den Emissionsausstoß – beides in Zeiten der volatilen Spritpreise und der Klimakrise dringend nötig. Die Denkfabrik empfiehlt die Tempolimits zu modernisieren, nicht zuletzt da sie in den 70er-Jahren festgelegt wurden.
Temporeduktionen haben große Wirkung. Das Momentum Institut hat auf Basis des sogenannten Power Models*, das beschreibt, wie stark sich geringere Geschwindigkeiten auf die Verkehrssicherheit auswirken, simuliert, um wie viel sich Verkehrstote und Schwerverletzte in Österreich reduzieren lassen. Auf Autobahnen würde Tempo 100 statt 130 km/h die Verkehrstoten von 31 auf 10 (-68 Prozent) reduzieren. Auf Schnell- und Landstraßen kann ein neues Tempolimit von 80 km/h statt 100 km/h die 163 Todesfälle auf 59 (-64 Prozent) Tote verkleinern. Auch im Ortsgebiet bringt eine Reduktion von 50 km/h auf 40 km/h viel: Die Zahl der Verkehrstoten könnte um 22 Tote geringer (-48 Prozent) ausfallen.

Bis zu 60 Prozent weniger Schwerverletzte
Auch Unfälle mit schweren Verletzungen können moderne Tempolimits erheblich reduzieren. Die größte Reduktion von Unfällen mit Schwerverletzten zeigt die Analyse auf der Autobahn: Dort bringt Tempo 100 eine Reduktion um 60 Prozent (136 Schwerverletzte weniger). Bei Schnell- und Landstraßen kann mehr als die Hälfte (-54 Prozent) der Unfälle mit Schwerverletzten verhindert werden. Im Ortsgebiet bringt ein Tempo von 40 statt 50 km/h statt 1.917 Schwerverletzten wie im Vorjahr, um 690 Unfälle weniger (-36 Prozent).

„Moderne Tempolimits sind eine der einfachsten Maßnahmen, um Menschenleben zu retten. Weniger Tempo bedeutet weniger schwere Verletzungen und weniger Tote“, sagt Nicolas Prinz, Ökonom am Momentum Institut.
Neue Tempolimits helfen gegen Emissionen und Spritverbrauch
Tempolimits sind aber nicht nur eine Frage der Sicherheit. Sie sind auch ein wirksames Mittel gegen hohe Emissionen. Gerade im Verkehr ist das besonders wichtig: Der Verkehrssektor zählt in Österreich zu den größten Verursachern von Treibhausgasen; 2024 machten die verkehrsbedingten Emissionen (exkl. nationaler Flugverkehr) laut Bundesumweltamt rund 29 Prozent der österreichischen Gesamtemissionen aus.
Wer langsamer fährt, verbraucht weniger Energie. Das senkt nicht nur CO₂-Emissionen, sondern entlastet auch Haushalte und Betriebe bei den Spritkosten. Eine Analyse der Denkfabrik zum Spritverbrauch zeigt diesen Effekt klar: Bei Tempo 130 liegt der Verbrauch bei 7,0 Litern pro 100 Kilometer. Bei Tempo 120 sinkt er auf 6,4 Liter, bei Tempo 110 auf 5,9 Liter und bei Tempo 100 auf 5,4 Liter pro 100 Kilometer. Tempo 100 bedeutet damit 22,6 Prozent weniger Spritverbrauch als Tempo 130 – also knapp ein Viertel weniger.
In der aktuellen Situation wäre es auch keine Besonderheit die Tempolimits zu modernisieren: Zuletzt wurden sie in den 1970ern als Reaktion auf den Ölpreisschock angepasst. „Fast 50 Jahre später nach der letzten allgemeinen Anpassung ist die Welt aber eine andere: Heute sind mehr als 3-mal so viele, deutlich größere Autos auf der Straße unterwegs und auch die Klimakrise ist im vollen Gange, diese Entwicklungen muss die Regierung ebenfalls mitdenken“, so Prinz weiter.
Das Momentum Institut empfiehlt daher eine rasche Modernisierung bei Tempolimits auf Autobahnen, Land- und Schnellstraßen sowie im Ortsgebiet. Eine einzige Maßnahme schafft gleich drei Fortschritte: Niedrigere Geschwindigkeiten schützen Menschenleben, entlasten Haushalte beim Tanken und leisten einen zentralen Beitrag zum Klimaschutz.
* In der Analyse wird auf allen Straßen eine Geschwindigkeitsreduktion von rund 20 Prozent angenommen. Dies gilt somit auch z.B. für Landstraßen mit einer aktuellen Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h sowie für Straßen mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Das Power-Model wird anschließend verwendet, um auf Basis dieser Geschwindigkeitsreduktion die daraus resultierende Verringerung der Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten abzuschätzen.
Power-Model:
Elvik, 2009: https://trid.trb.org/View/1150311_
Elvik, 2013: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0001457512002667_
Elvik et al. 2019: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S000145751830839X