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Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel an Ausgaben der Ärmeren ausrichten

Die Bundesregierung muss für die kommende Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel eine finale Liste mit begünstigten Lebensmitteln erstellen. Ein paar Grundnahrungsmittel werden offensichtlich enthalten sein: Brot, Eier, Kartoffel, usw. In den vergangenen Tagen gab es darüber hinaus Forderungen, was noch alles auf der Liste stehen müsse – ausschließlich heimische Produkte, sämtliches frisches Obst und Gemüse, oder jegliches Fleisch. Das Momentum Institut schlägt ein anderes Kriterium für die erweiterte Auswahl der Produkte vor: Was kaufen ärmere Haushalte tatsächlich häufiger als jene mit hohen Einkommen.

Welche Lebensmittel ärmere Haushalte häufiger kaufen: Anteil der jeweiligen Produkte an den Gesamtausgaben für Lebensmitte. Das einkommensstärkste Fünftel kauft vermehrt Wurst- und Selchwaren, Käse, Topfen, Fisch und frisches Obst, während das untere Einkommensfünftel eher Limonaden, Geflügel, Trinkmilch und Süßigkeiten kauft.

Das Momentum Institut hat deshalb die Anteile einzelner Lebensmittelgruppen an den Gesamtausgaben für Lebensmittel zwischen armen und (einkommens-)reichen Haushalten verglichen – auf Basis der Konsumerhebung der Statistik Austria.

Besonders groß sind die Unterschiede zwischen dem einkommensärmsten und dem einkommensstärksten Fünftel der österreichischen Haushalte bei einigen Lebensmitteln und Getränken:

Haushalte mit wenig Einkommen geben anteilig mehr aus für Geflügel, Süßigkeiten, Fertiggerichte, Eier, Faschiertes, Kartoffeln, Reis, Tiefkühlkost, und Speiseöle (ohne Olivenöl).

Haushalte mit hohen Einkommen geben anteilig mehr aus für Wurst- und Selchwaren, Käse und Topfen, frischen bzw. gekühlten Fisch, Schokolade, Beerenobst, Blattgemüse/Kräuter, sowie nicht-zuordenbare Nahrungsmittel.

Liste stärker an Lebensmittel-Käufen ärmerer Haushalte ausrichten

Die bisher vom Vizekanzler vorgeschlagene Liste deckt ein gutes Drittel der Lebensmittelausgaben des ärmsten Fünftels der Haushalte ab (35 Prozent). Rund die Hälfte der Liste betrifft jedoch Produkte, die von ärmeren Haushalten nicht stärker nachgefragt werden als im Durchschnitt.

Der Supermarkt-Einkauf mit gesenkter Mehrwertsteuer: Anteile an Lebensmittelausgaben armer Haushalte. 43 Prozent (26 % + 17 %) aller Ausgaben für Lebensmittel vom einkommensärmsten Fünftel werden für Lebensmittel ausgegeben, die das unterste Fünftel vermehrt konsumiert. 35 Prozent (17 % + 18 %) aller Ausgaben für Lebensmittel vom ärmsten Fünftel werden für Lebensmittel ausgegeben, für die die Regierung die Mehrwertsteuer senkt.

Ein beträchtlicher Teil der Diskrepanz geht auf die Kategorie „Brot und Gebäck“ zurück. Heimische Haushalte wenden fast ein Zehntel ihrer Lebensmittelausgaben dafür auf. Brot ist als Grundnahrungsmittel gesetzt und steht auf der vorläufigen Liste des Vizekanzlers. Doch insgesamt geben Besserbezahlte anteilig etwas mehr für Brot und Gebäck aus. „Um die finanzielle Entlastung stärker bei Niedrigbezahlten zu konzentrieren, sollte überlebensnotwendiges Brot von der Semmel bis zum halben Kilo Mischbrot auf der Lebensmittel-Liste stehen. Streichen kann man teures Spezialgebäck vom Oliven-Feta-Stangerl bis zum Walnussbrot. Die kaufen tendenziell besserbezahlte Haushalte“, sagt Oliver Picek, Chefökonom am Momentum Institut.

Beim Obst fehlen auf der Regierungsliste Bananen, die Haushalte mit wenig Einkommen anteilig stärker nachfragen. Beim Fleisch geben die ärmeren Haushalte mehr für Geflügel, Faschiertes, sowie für Schlaf- und Ziegenfleisch aus. Teureres Fleisch wie Rind- und Kalbfleisch erwerben vermehrt Besserbezahlte. Wild und Innereien kaufen Ärmere fast nie.

Bei Getränken geben ärmere Haushalte mehr für Milch und „Limonaden, Säfte und Energydrinks“ aus. Kaffee und Kakao werden leicht stärker von ärmeren Haushalten konsumiert, Tee von Besserbezahlten. Getränke (Ausnahme: Milch) wird die Regierungsliste voraussichtlich jedoch nicht enthalten, obwohl diese rund ein Zehntel der Ausgaben für Nahrungsmittel ausmachen.