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Lohntransparenz kann Frauen bis zu 2,7 Milliarden Euro im Jahr bringen

Österreich hat die EU-Umsetzungsfrist zur Lohntransparenz verstreichen lassen. Eine neue Analyse zeigt: Schon eine teilweise Verringerung der Lohnlücke könnte durchschnittlich rund 700 Euro brutto mehr pro Arbeitnehmerin und Jahr bedeuten.

Österreich hat die EU-Umsetzungsfrist zur Lohntransparenz verstreichen lassen. Eine neue Analyse zeigt: Schon eine teilweise Verringerung der Lohnlücke könnte durchschnittlich rund 700 Euro brutto mehr pro Arbeitnehmerin und Jahr bedeuten.

Österreich hätte die EU-Lohntransparenzrichtlinie bis 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen müssen. Mit 4. Oktober ist die Regierung seit 120 Tagen säumig, eine Strategie der Richtlinie vorzulegen und umzusetzen. Was eine wirksame Umsetzung für die Einkommen von Frauen bedeuten könnte, zeigt eine neue Szenarienrechnung des Momentum Instituts. Würde sich der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern infolge von Lohntransparenz um nur zehn Prozent verringern, entspräche das für Arbeitnehmerinnen in Österreich insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro zusätzliches Bruttoeinkommen pro Jahr.

Fehlende Lohntransparenz kostet Frauen bis zu 2,7 Milliarden Euro jährlich. Geschätztes entgangenes Einkommen unselbständig erwerbstätiger Frauen in Österreich pro Jahr. Bei 10 Prozent weniger Gender Pay Gap bedeutet das 0,43 Euro pro Arbeitsstunde mehr, also 1,3 Milliarden Euro jährlich. Bei 20 Prozent weniger Gender Pay Gap sind das 0,86 Euro mehr, sprich 2,7 Milliarden Euro jährlich.

Der durchschnittliche Bruttostundenlohn unselbständig beschäftigter Männer lag 2024 bei 29,40 Euro, jener von Frauen bei 25,10 Euro. Der Unterschied beträgt damit 4,30 Euro pro Stunde und entspricht einem Gender Pay Gap von 14,63 Prozent. Für die Modellrechnung nimmt das Momentum Institut auf Basis von internationalen Studien-Vergleichswerten an, dass wirksame Lohntransparenz diesen Abstand um zehn Prozent reduziert. Das entspricht 43 Cent pro Arbeitsstunde. Bei durchschnittlich 31 Wochenstunden ergibt das für eine Arbeitnehmerin rund 700 Euro brutto mehr im Jahr. Hochgerechnet auf rund 1,93 Millionen unselbständig beschäftigte Frauen sind es 1,3 Milliarden Euro jährlich.

“Für die Frauen geht es bei der Lohntransparenz nicht um eine versäumte Formalität, sondern um reales Geld. Wenn nur ein kleiner Teil dieser Lohnlücke geschlossen wird, reden wir gleich über mehr als eine Milliarde Euro Einkommen für Frauen pro Jahr“, sagt Sophie Achleitner, Gleichstellungsexpertin am Momentum Institut.

Die Analyse zeigt, wie groß die finanziellen Dimensionen bereits bei vergleichsweise kleinen Veränderungen sind. Bei einer Verringerung des durchschnittlichen Lohnunterschieds um 20 Prozent wären es 86 Cent pro Stunde und hochgerechnet sogar rund 2,7 Milliarden Euro zusätzliches Bruttoeinkommen pro Jahr.

Das Momentum Institut empfiehlt, die EU-Lohntransparenzrichtlinie rasch und wirksam umzusetzen. Entscheidend sind verständliche und durchsetzbare Auskunftsrechte für Beschäftigte sowie wirksame Konsequenzen bei Entgeltdiskriminierung. Transparenz muss dazu beitragen, ungerechtfertigte Gehaltsunterschiede nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch zu beseitigen.