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Inflation: Vorgezogene Strompreisbremse kann Inflation um 0,15 Prozent drücken
Die Bundesregierung plant eine neue Strompreisbremse. Doch sie wird frühestens in einigen Monaten schlagend, obwohl die Strompreise für neue Verträge bereits steigen. Setzt man sie vorzeitig in Kraft, erspart sich ein Durchschnittshaushalt ab sofort 85 Euro im Jahr. Kund:innen der großen Stromkonzerne aus Niederösterreich, Linz und der Steiermark würden am meisten profitieren. Durch eine sofort wirkende Preisbremse würde die Inflationsrate um rund 0,15 Prozentpunkte geringer ausfallen. Das Momentum Institut empfiehlt deshalb ein Vorziehen der Bremse.

Der Preisdruck beim Strom geht weiter nach oben, obwohl die Haushalte den Dampf davon noch nicht abbekommen. Die Strompreise der Landesenergieversorger (plus Verbund) für Neuverträge blieben in den letzten Monaten relativ konstant bei um die 14 Cent pro Kilowattstunde (Arbeitspreis und Grundpauschale). Doch für Schnäppchenjäger geht die Zeit günstigen Stroms dem Ende zu: Das günstigste Produkt für Haushaltskund:innen ist laut E-Control bereits von 8,9 Cent pro Kilowattstunde im März 2026 auf 11,22 Cent im Oktober angestiegen.
Vorboten für höhere Preise für Haushaltskund:innen gibt es reichlich, womit die Strompreise spätestens in einigen Monaten wieder zum Inflationstreiber werden dürften. Während die kurzfristigen Strombeschaffungskosten der Stromkonzerne noch stabil bleiben, verdoppelten sich die langfristigen Beschaffungskosten der Stromkonzerne innerhalb von fünf Monaten von 7,7 Cent pro kWh im Mai dieses Jahres auf 16,7 Cent im Oktober. Auch die Preise für an der Börse gehandelten Strom im Oktober sind am höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Die Futures im Oktober für künftige Stromlieferungen überschritten bereits die Grenze von 165 Euro pro Megawattstunde, welche im Energiekrisenmechanismus eine Voraussetzung für dessen künftige Auslösung ist. Die Strompreise für Endkund:innen folgen üblicherweise spätestens mit einem Jahr Verzögerung den Börsen- und Großhandelspreisen.
Die Auslösung des Energiekrisenmechanismus – vulgo Strompreisbremse – wird also noch länger dauern. Bleibt die kriegsbedingte Knappheit (Iran und Russland) an Gas bestehen, ist seine Auslösung jedoch wahrscheinlich. Bis dahin können die durchschnittlichen Haushalts-Strompreise (Energiepreis, ohne Netzkosten und Abgaben) jedoch noch um weitere 17,9 Prozent bzw. 105,4 Euro für einen Durchschnittshaushalt steigen (inkl. Umsatzsteuer). Das würde die Inflation um weitere 0,2 Prozentpunkte erhöhen.
Sofortige Strompreisbremse würde Durchschnittshaushalt im Schnitt 85 Euro pro Jahr bringen
Das Momentum Institut schlägt deshalb vor, die Strompreisbremse sofort auszulösen. Dafür müsste der Gesetzesentwurf zum Strompreiskrisengesetz angepasst werden. Damit könnte sich ein Durchschnittshaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden 85 Euro pro Jahr ersparen. Ein typischer Miethaushalt würde sich 73 Euro ersparen. Ein typischer Haushalt im Einfamilienhaus erspart sich ebenfalls 85 Euro (Verbrauch im Schnitt 5.100 kWh), weil die Strompreisbreme nur bis 2.900 kWh Stromverbrauch den Preis deckelt, darüber aber nicht mehr. Durch die sofortige Preisbremse würde die Inflationsrate ab dem darauffolgenden Monat um bis zu 0,15 Prozentpunkte geringer ausfallen.

Zieht die Bundesregierung die Strompreisbremse vor, würden die Strompreise für Kund:innen einiger Stromkonzerne sofort gedeckelt. Besonders viel ersparen würden sich dadurch die Kunden der EVN mit 296 Euro im Jahr, gefolgt von der Linz Strom mit 175 Euro. In der Steiermark ersparten sich Kund:innen der Energie Steiermark 128 Euro, jene der Energie Graz 110 Euro. Kundschaft der Burgenland Energie würden 112 Euro sparen. Bei der Energie Klagenfurt sind es immer hin noch 52 Euro, bei der vkw in Vorarlberg 27 Euro, und bei der Wien Energie 11 Euro im Jahr. Die Neuverträge bei TIWAG, Verbund, Kelag, Energie AG OÖ und der Salzburg AG liegen preislich unter der Strompreisbremse, womit es für deren typische Kund:innen zu keiner Ersparnis kommt. Das zeigt ein Vergleich des Energiekrisenmechanismus mit aktuell gültigen Angeboten für Neukund:innen und Bestandskunden, deren Vertrag ausläuft, im Tarifkalkulator der E-Control.
“Bei der hohen Inflation der letzten Jahre in Österreich, zählt jeder Prozentpunkt, der die Teuerung drückt. Vor allen nach Jahren der steigenden Lebenshaltungskosten dürfen Menschen nicht mit explodierenden Strompreisen allein gelassen werden. Die sofortige Aktivierung der Strompreisbremse senkt die Inflation um 0,15 Prozentpunkte – das ist notwendiger Schutz für Haushalte und ein Beitrag zu niedrigeren Teuerungsraten. Das wäre verantwortliches Handeln in einer Zeit, wo jedes bisschen Entlastung zählt“, so Olier Picek, Chefökonom am Momentum Institut abschließend.
Auslösungsbedingung des Energiekrisenmechanismus
Der Gesetzesentwurf für den Energiekrisenmechanismus sieht vor: Die Bundesregierung aktiviert den Energiekrisenmechanismus per Verordnung, sobald zwei Schwellen grundsätzlich überschritten werden: Zum einen muss der österreichische Börsenpreis für Strom-Futures im Sechsmonatsdurchschnitt drei Monate in Folge über 165 Euro pro Megawattstunde liegen. Das wird mit Stand November erst für einen Monat der Fall gewesen sein. Zum anderen muss der durchschnittliche Strompreis der Hauptprodukte der Stromversorger 16,5 Cent pro Kilowattstunde netto übersteigen – also ohne Netzkosten und Abgaben, aber inklusive Grundpauschale. Hiervon sind wir bei aktuellen Preisen noch 2,54 Cent entfernt. Die österreichische Regulierungsbehörde E-Control prüft diese Voraussetzungen monatlich. Die Auslösung des Energiekrisenmechanismus ist somit noch einige Monate, wenn nicht gar ein Jahr entfernt. Der Strompreis für Haushalte wird dann für die ersten 2.900 kWh verbrauchten Strom auf 10 Cent pro Kilowattstunde Arbeitspreis gedeckelt. Die Grundpauschalen in den Stromverträgen bleiben bestehen, dürfen dann aber nicht weiter erhöht werden. Haushalte mit Sozialtarif und dynamische Verträge sind ausgenommen.