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Flugabgabe könnte fallen, aber Öffi-Gebühren steigen

Höhere Preise für öffentliche Verkehrsmittel, gleichzeitig ein mögliches Steuergeschenk von rund 190 Millionen Euro jährlich an den Flugverkehr: Die Forderung nach einer Abschaffung der Flugabgabe ist sozial ungerecht, klimapolitisch kontraproduktiv und budgetpolitisch widersinnig, wie das Momentum Institut in einer Aussendung zeigt.

Die Auswertung stellt die Mehrkosten für Öffi-Fahrgäste den drohenden Einnahmenausfällen durch einen Verzicht der Regierung auf die Flugabgabe gegenüber. Während die Kosten für öffentlichen Verkehr, etwa für das Klimaticket oder die Wiener Jahreskarte, teurer werden, könnte eine Abgabe auf klimaschädliches Fliegen auf Drängen von Fluglinien und Flughafenbesitzern fallen.

Balkendiagramm des Momentum Instituts 'Öffi-Preise steigen - Flugabgabe soll fallen?' Vergleicht drei Werte für 2026: Erhöhte Einnahmen aus Wiener Linien-Tickets (100 Mio. Euro), aus dem Klimaticket (150 Mio. Euro), und die prognostizierte Flugabgabe (190 Mio. Euro). Ein zusätzlicher weißer Balken über der Flugabgabe zeigt das entgangene Zusatzvolumen von 102 Mio. Euro durch fehlende Inflationsbereinigung. Quelle: Budgetdienst UG41, BMF, Wifo, Presse vom 05.09.2025.

Allein durch die Verteuerung der Wiener-Linien-Karten vom letzten Jahr rechnet der Konzern mit Mehreinnahmen für 2026 in Höhe von rund 100 Millionen Euro – in den kommenden Jahren sogar mit 150 Millionen Euro. Auch die Bundesregierung hat den öffentlichen Verkehr verteuert: Die Preiserhöhung beim Klimaticket sowie die Streichung des Gratis-Klimatickets für 18-Jährige bringen der Bundesregierung 150 Millionen Euro an Mehreinnahmen. 2027 kommt noch eine Verteuerung des Klimatickets um 2 Prozent obendrauf – was bis zu 8 Millionen Euro kosten wird. Eine Mehrbelastung im Jahr 2026 für die Bevölkerung in Höhe von 250 Millionen Euro steht so den erwarteten Einnahmen durch die Flugabgabe für 2026 mit einem Volumen von 190 Millionen Euro gegenüber. „Streicht die Regierung die Flugabgabe, wird klimaschädliches Fliegen billiger. Aber der klimafreundliche öffentliche Verkehr bleibt teurer“, erörtert Oliver Picek, Chefökonom am Momentum Institut.

Flugabgabe hat preisbereinigt an Wert verloren

Die Höhe der Flugabgabe wurde nie an die Inflation angepasst und ist real deutlich weniger wert als ursprünglich. Für 2026 werden Einnahmen von rund 190 Millionen Euro erwartet – Geld, auf das Bund, Länder und Gemeinden bei einer Abschaffung verzichten würden. Mit der tatsächlichen Inflation hochgerechnet würden die Einnahmen aus der Ticketabgabe sogar 292 Millionen Euro betragen. Dabei gewährt Österreich dem Flugverkehr Steuerprivilegien, die andere Branchen nicht haben: Fluggesellschaften zahlen etwa keine Mineralölsteuer auf Flugbenzin – anders der Güter- und Personentransport auf der Straße. Eine Mehrwertsteuer auf internationale Personenflüge fällt auch nicht an. Vom europäischen Emissionshandel sind außereuropäische Flüge weitgehend ausgenommen. Heimische Flughäfen profitieren zudem davon, dass für den Grundbesitz zum Betrieb des Flughafens keinerlei Grundsteuer anfällt. Statt diese steuerliche Begünstigung von Flugverkehr zu korrigieren, wird nun noch ein weiteres Steuergeschenk diskutiert.

Es fliegen vor allem Besserbezahlte

Die Daten von Statistik Austria zeigen, wie ungleich Mobilität verteilt ist. Menschen mit niedrigen Haushaltseinkommen nutzen öffentliche Verkehrsmittel häufiger, während Menschen mit hohen Einkommen deutlich öfter fliegen. Laut Mikrozensus Umwelt unternahmen 76,4 Prozent der Menschen mit niedrigem Haushaltseinkommen im untersuchten Zeitraum keine einzige Flugreise. Ein Verzicht auf die Flugabgabe hätte daher neben den Klimafolgen eine klare soziale Schlagseite: Die Allgemeinheit verliert öffentliche Einnahmen, während vor allem jene profitieren, die sich Flugreisen leisten können.

Passagierzahlen bleiben trotz Flugabgabe auf hohem Niveau

Trotz Flugabgabe haben sich die Passagierzahlen am Flughafen Wien blendend entwickelt. Seit 2010, dem Jahr vor Einführung der Flugabgabe, sind die Passagierzahlen am Flughafen Wien um rund 55 Prozent gestiegen – der Wert enthält bereits den prognostizierten Rückgang für 2026. 2025 wurde mit 32,6 Millionen Reisenden ein neuer Rekord erreicht. Für 2026 erwartet der Flughafen am Standort Wien rund 30,5 Millionen Passagiere – das ist nur knapp unter dem Vorkrisenwert aus 2019 (31,7 Millionen Passagiere) und wäre das viertbeste Jahr in der Geschichte des Flughafens Wien.

„Nach einem weiteren Rekordsommer mit extremer Hitze und unmittelbar vor der nächsten Weltklimakonferenz ist es jenseitig, klimaschädliches Fliegen steuerlich zu entlasten. Von einem wirksamen Klimaschutz hat man sich dann verabschiedet“, so Picek abschließend.