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EZB-Daten: Österreich hat zweithöchste Vermögenskonzentration der Eurozone New Post

EZB-Daten: Österreich hat zweithöchste Vermögenskonzentration der Eurozone

In Österreich ist besonders viel Vermögen in den Händen weniger. Österreich liegt auf Platz zwei der Vermögenskonzentration in der Eurozone. Das heißt, dass hierzulande die reichsten 5 Prozent der Haushalte den zweitgrößten Anteil am Vermögen des Landes im Eurozonen-Vergleich besitzen. Das zeigt eine Auswertung des Momentum Instituts der neuen Vermögensverteilungs-Konten der Europäischen Zentralbank.

Die Schieflage bei der Verteilung der Vermögen ist in Österreich besonders groß. Die reichsten fünf Prozent der österreichischen Haushalte mit den höchsten Nettovermögen besitzen mit 53,5 Prozent mehr als die Hälfte des gesamten privaten Vermögens im Land. Das ist der zweithöchste Anteil unter den zwanzig Ländern der Eurozone. Österreich liegt um 10,4 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Eurozone, was den Anteil der Top 5 Prozent der Haushalte am gesamten Nettovermögen betrifft. „In Österreich schneidet sich die Oberschicht ein größeres Stück vom gesamten Kuchen des Vermögens ab als anderswo. Nur in Lettland geht noch mehr an das reichste Zwanzigstel der Haushalte“, sagt Barbara Schuster, Verteilungsexpertin am Momentum Institut.

Die ärmere Hälfte der Menschen besitzt kaum Vermögen

Die ärmere Hälfte der Haushalte besitzt lediglich 3,5 Prozent des Vermögens. Österreich liegt damit auch beim Anteil der ärmeren Hälfte am Gesamtvermögen auf dem vorletzten Platz. Nur in Deutschland besitzt die untere Hälfte anteilig noch weniger (2,3 Prozent). Österreich liegt um 1,8 Prozentpunkte unter dem Eurozonen-Schnitt (5,3 Prozent) beim Anteil der ärmeren Hälfte der Haushalte am Gesamtvermögen. „Jede:r aus der unteren Vermögenshälfte hätte im Schnitt um rund 8.000 Euro mehr Vermögen, wenn Österreich wenigstens an den Durchschnitt der Eurozone herankäme“, so Schuster.

In Österreich besitzen die ärmsten 50 Prozent der Haushalte somit für den Euroraum unterdurchschnittlich wenig Vermögen, während die reichsten 5 Prozent überdurchschnittlich viel besitzen. „Das Vermögen in Österreich ist in den Händen von wenigen Menschen. Stellt man sich Österreich als Dorf mit zwanzig Einwohner:innen vor. Dann besitzt eine Person die halbe Ortschaft. Sowie die Hälfte aller Finanzvermögen, Bankkonten, Häuser, Felder, Wälder, Unternehmen, Gold und Schmuck gehört ihr. Umgekehrt besitzt die Hälfte der Einwohner:innen – zehn Menschen – fast nichts. Ihnen gehört zusammen weniger als einer von jeden 28 Euro an Vermögen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist riesig“, erklärt Schuster die Zahlen.

Top 5 Prozent haben Vermögen verdoppelt

Vom 4. Quartal 2010 bis zum 2. Quartal 2023 verdoppelte sich das Vermögen der reichsten 5 Prozent von 513 Milliarden Euro auf über 1 Billion Euro. Dieser halben Million Menschen stehen nun 563 Millionen Euro mehr Vermögen zur Verfügung als noch vor zwölf Jahren. Das gesamte Nettovermögen der unteren Bevölkerungshälfte, also von mehr als vier Millionen Menschen, wuchs im gleichen Zeitraum von 23 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 71 Milliarden Euro an – und somit nur um 48 Milliarden Euro. Die Größe der Kluft zeigt sich vor allem bei den Pro-Kopf-Vermögenswerten: eine Person der unteren Vermögenshälfte verfügt im Durchschnitt über ein Nettovermögen von 17.680 Euro, während Reiche in den Top 5 Prozent durchschnittlich 2,4 Millionen Euro besitzen.

Bei der Höhe der vermögensbezogenen Steuern liegt Österreich im OECD-Vergleich am fünftletzten Platz von 38 Ländern. „Bei Steuern auf Vermögen ist Österreich eine Steueroase. Mit solchen Steuerprivilegien lässt sich die enorme Vermögenskonzentration in Österreich nicht wirksam eindämmen“, so Schuster. Österreich hat weder eine Erbschaftssteuer noch eine Vermögensteuer. Für Unternehmensbesitzer:innen senkt die Bundesregierung die Körperschaftsteuer und die Lohnnebenkosten, was die großen Unternehmensvermögen begünstigt. Die Republik besteuert auch Immobilienvermögen (Grund und Boden) nur gering. Um der Schieflage bei der Vermögensverteilung entgegenzuwirken, empfiehlt das Momentum Institut die Steuern auf Vermögen zu erhöhen.