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Equal Pension Day: Was die Pensionslücke im Alltag bedeutet
Der diesjährige Equal Pension Day fällt auf den 9. August. Ab diesem Tag erhalten Pensionistinnen bis zum Jahresende rechnerisch keine Pension mehr. Was die Pensionslücke von 39,4 Prozent konkret im Alltag bedeutet, zeigt das Momentum Institut mit einer Sonderauswertung auf Basis der Konsumerhebung 2019/20.
Die Konsumquote von alleinlebenden Pensionistinnen liegt bei 1,09. Sie geben also rechnerisch neun Prozent mehr aus, als ihr verfügbares Einkommen hergibt. Sie sind gezwungen, Ersparnisse aufzulösen, Unterstützung anzunehmen oder Ausgaben zu verschieben. Bei alleinstehenden Pensionisten liegt die Konsumquote bei 0,97 – sie geben im Durchschnitt weniger aus, als sie einnehmen, und können einen Teil ihres Einkommens zurücklegen.
„Pensionistinnen müssen mehr ausgeben, als ihr Einkommen hergibt. Besonders bitter ist, dass ihr Geld vor allem in Wohnen, Energie, Lebensmittel sowie Gesundheit und Pflege fließt. Das sind Ausgaben, bei denen man kaum einsparen kann", sagt Sophie Achleitner, Gleichstellungsexpertin am Momentum Institut.
Grundbedürfnisse dominieren bei Frauen
Pensionistinnen müssen einen deutlich größeren Teil ihres Budgets für Grundbedürfnisse verwenden. Gemessen am verfügbaren Einkommen geben Frauen 17 Prozent für Wohnen und 16 Prozent für Ernährung aus. Bei Männern sind es 14 beziehungsweise 13 Prozent. Für Energie beläuft sich der Anteil bei Frauen auf sieben, bei Männern auf sechs Prozent. Für Gesundheit einschließlich Medikamenten, ärztlicher Leistungen sowie Spitals- und Pflegeleistungen benötigen Frauen acht Prozent ihres Einkommens, Männer nur vier.

Besonders bezeichnend ist, wofür nach den Grundbedürfnissen Geld ausgegeben wird: Männer investieren 17 Prozent ihres Einkommens in Mobilität – Frauen nur zehn Prozent. Für Gastronomie und Beherbergung geben Männer neun Prozent aus, Frauen sechs. Auch für Alkohol und Tabak verwenden Männer mit vier Prozent einen doppelt so hohen Anteil wie Frauen.
„Alleinlebende Pensionistinnen geben für das Wohnen genauso viel von ihrem Einkommen aus wie Pensionisten für ihre Mobilität, überwiegend für das Auto. Diese Gegenüberstellung offenbart viel über die ungleichen Möglichkeiten und Lebensrealitäten im Alter", so Achleitner.
Konkrete Euro-Beträge zeigen den unterschiedlichen Spielraum
Die größten monatlichen Ausgabenposten alleinlebender Pensionistinnen sind Wohnen mit 307 Euro, sonstige Ausgaben einschließlich sozialer Dienste und Versicherungen mit 299 Euro sowie Ernährung mit 286 Euro. Es folgen Mobilität mit 169 Euro, Gesundheit mit 145 Euro und Freizeit mit 140 Euro.

Bei Männern ist Mobilität mit 435 Euro der größte Posten. Danach folgen Wohnen mit 348 Euro und Ernährung mit 328 Euro. Für Gastronomie und Beherbergung geben Männer monatlich 228 Euro aus, Frauen 109 Euro. Bei Alkohol und Tabak stehen 108 Euro bei Männern nur 35 Euro bei Frauen gegenüber.

Miete trifft Pensionistinnen besonders hart
Am stärksten unter Druck stehen alleinlebende Frauen, die zur Miete wohnen. Ihre Konsumquote liegt bei 1,15, sie geben rund 15 Prozent mehr aus, als ihr Einkommen deckt. Bei männlichen Mietern in Pension liegt die Quote bei 0,94. Sie können im Durchschnitt einen Teil ihres Einkommens zurücklegen.
Mieterinnen geben 30 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnen aus, Mieter 23 Prozent. Werden Wohnen, Ernährung und Energie zusammengezählt, fließen bei Mieterinnen 53 Prozent des Einkommens allein in die Deckung dieser drei Grundbedürfnisse. Bei Mietern sind es hingegen nur 40 Prozent.
Eigentümerinnen geben 33 Prozent ihres Einkommens für Wohnen, Ernährung und Energie aus, Eigentümer 27 Prozent. Im Bereich Mobilität verwenden Männer im Eigentum 23 Prozent ihres Einkommens, Frauen elf Prozent. Eigentum reduziert zwar die Wohnkosten, schafft aber für Frauen nicht denselben finanziellen Spielraum wie für Männer.
Was jetzt zu tun ist
„Die Pensionslücke beginnt nicht erst im Alter, sondern bereits im Arbeitsleben. Sie ist die lebenslange Rechnung für niedrigere Löhne, jahrelange Teilzeit, schlechtere Aufstiegschancen und ungleich verteilte unbezahlte Sorgearbeit", erläutert Achleitner.
Nötig sind gute und transparente Löhne, bessere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen sowie eine Aufwertung sogenannter „Frauenberufe". Das Momentum Institut empfiehlt weiters ausreichend leistbare Kinderbetreuung und Pflegeangebote, eine partnerschaftlichere Verteilung der Sorgearbeit – etwa durch eine verpflichtende Väterkarenz und eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich – sowie eine bessere pensionsrechtliche Anrechnung von Betreuungs- und Pflegezeiten.
Gleichzeitig braucht es unmittelbare Entlastungen für ältere Frauen, die bereits in Pension sind: leistbares Wohnen, niedrigere Energiebelastungen und einen guten, finanziell zugänglichen Zugang zu Gesundheit, Pflege und sozialen Dienstleistungen. Besonders alleinlebende Mieterinnen müssen gezielt unterstützt werden, und es braucht armutsfeste Sozialleistungen.