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Arbeitslose in Österreich häufiger armutsgefährdet als in der EU
Arbeitslose Menschen sind in Österreich überdurchschnittlich oft armutsgefährdet. Im EU-Vergleich schaffen es 18 Länder, ihre arbeitslosen Personen häufiger über die Armutsgefährdungsschwelle zu heben als Österreich, nur 8 Länder machen es schlechter. Das Momentum Institut empfiehlt eine bessere finanzielle Absicherung arbeitsloser Menschen, etwa eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe auf 70 Prozent des vorherigen Einkommens.

Arbeitslose Menschen sind in Österreich überdurchschnittlich oft armutsgefährdet. Während in der Gesamtbevölkerung rund einer von sechs Haushalten armutsgefährdet ist (15,9 Prozent), sind es unter den Erwerbsarbeitslosen mehr als die Hälfte (53,5 Prozent).
Damit liegt Österreich bei der Armutsgefährdungsquote arbeitsloser Menschen höher und damit schlechter als der EU-Schnitt (49,3 Prozent). Am besten schützt Luxemburg seine arbeitslose Bevölkerung vor Einkommensarmut: Im Großherzogtum ist nur gut eine:r von vier Arbeitslosen armutsgefährdet (27 Prozent). In Zypern (31,6 Prozent) und Irland (32,3 Prozent) ist weniger als eine:r von drei betroffen, in Rumänien knapp vier von zehn (39,7 Prozent). Am häufigsten mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle ihres Landes auskommen müssen arbeitslose Menschen in den Niederlanden. Über zwei von drei niederländischen Arbeitslosen leben in Armut oder laufen Gefahr, einkommensmäßig in Armut abzurutschen (68,7 Prozent). Dicht dahinter folgt Deutschland, in dem 65,5 Prozent der Menschen ohne Erwerbsarbeit mit vergleichsweise wenig Einkommen durchkommen müssen. Auch in Litauen (62 Prozent) und Tschechien (60 Prozent) leben rund sechs von zehn Arbeitslosen in Armutsgefährdung. Als armutsgefährdet im jeweiligen Land gilt, wer in einem Haushalt lebt, der weniger als sechzig Prozent des mittleren Einkommens des Landes zur Verfügung hat.
In 18 Ländern der Europäischen Union sind Menschen ohne Job seltener armutsgefährdet als in Österreich. Nur in 8 Ländern leben Arbeitslose noch öfter unter der Armutsgefährdungsschwelle. „Österreich ist das fünftreichste Land der EU. Aber 18 andere EU-Länder schaffen es, ihre Arbeitslosen besser gegen Armut abzusichern als Österreich. Das muss sich auch bei uns ausgehen“, sagt Paul Steinmaßl, Ökonom am Momentum Institut.
Höhe des Arbeitslosengeldes im internationalen Vergleich niedrig
Das österreichische Arbeitslosengeld ist im internationalen Vergleich reicher westeuropäischer Industrieländer ohnehin schon gering. Während frisch arbeitslos gemeldeten Personen etwa in Luxemburg, Dänemark, Belgien, den Niederlanden oder in der Schweiz zwischen 72 und 88 Prozent ihres vorherigen Einkommens zusteht, erhalten Personen in Österreich gerade einmal 55 Prozent.

Mit der Erhöhung des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe auf 70 Prozent lassen sich 45.000 Personen aus der Armutsgefährdung herausholen. „Eine ausreichende finanzielle Absicherung von Arbeitslosen ist gerade jetzt wichtig. Die Wirtschaft läuft zu schlecht, der Jobmarkt ist eingeschlafen. Auf jede offene Stelle kommen fast fünf Arbeitslose, die gerne einen Job hätten. Wenn die Politik den arbeitslosen Menschen aktuell keinen Job anbieten kann, muss sie zumindest ihre soziale Absicherung verbessern“, so Steinmaßl abschließend.
Das Momentum Institut spricht sich zudem für eine Jobgarantie für Langzeitarbeitslose aus, die schon mehrere Jahre arbeitslos sind. Vorbilder dafür sind die Aktion 20.000 oder das Projekt „MAGMA“ des niederösterreichischen Arbeitsmarktservice.