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45 Versicherungsjahre als Hürde: Zwei Drittel der Pensionierten hätte 2025 nicht in Pension gehen können

Das Momentum Institut hat analysiert, welche Auswirkungen der aktuelle Pensionsvorschlag von Landeshauptmann Anton Mattle mit verpflichtenden 45 Versicherungsjahren bei Pensionsantritt auf den Pensionsjahrgang 2025 hätte. Die Ergebnisse zeigen: Zwei Drittel der Menschen, die vergangenes Jahr in Pension gingen, hatten keine 45 Versicherungsjahre zusammen. Auch zwischen den Geschlechtern zeigt die Analyse deutliche Unterschiede: Während rund die Hälfte der Männer (54 Prozent) zusätzliche Arbeitsjahre benötigt, wären es bei Frauen mehr als vier von fünf (82 Prozent).

Unter den Männern des Pensionsjahrgangs 2025 haben nur 46 Prozent die 45 Versicherungsjahre beim Pensionsantritt zusammen. Die anderen 54 Prozent müssen, um die 45 Versicherungsjahre zu erreichen, noch weitere Jahre erwerbstätig sein. Ein Fünftel müsste sogar noch mindestens 11 Jahre oder länger im Beruf bleiben, 8 Prozent sogar mehr als 20 Jahre.

Horizontales Balkendiagramm mit dem Titel 'Mehr als die Hälfte der Männer müsste noch länger arbeiten bis zur Pension'. Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung bei Männern des Pensionsjahrgangs 2025 und ob bzw. wie viele Versicherungsjahre noch fehlen würden. 46 Prozent haben keine fehlenden Jahre, 54 Prozent benötigen zusätzliche Versicherungszeiten. Die größten Gruppen: 13 Prozent mit 3-5 fehlenden Jahren, 12 Prozent mit bis zu 2,5 Jahren, jeweils 9 Prozent mit 6-10 Jahren und 8 Prozent mit mehr als 20 Jahren Bedarf an zusätzlichen Versicherungsjahren.

Bei Frauen sieht die Situation noch schlechter aus: Nur 18 Prozent aus dem 2025-Pensionsjahrgang haben dieses Ziel erreicht, wohingegen 82 Prozent zusätzliche Versicherungsjahre sammeln müssten. Fast ein Drittel (31 Prozent) muss mindestens 11 Jahre oder länger weiter arbeiten. 12 Prozent der Frauen würden sogar mehr als 20 zusätzliche Versicherungsjahre benötigen.

Horizontales Balkendiagramm mit dem Titel 'Vier von fünf Frauen müssten künftig länger arbeiten bis zur Pension'. Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung bei Frauen des Pensionsjahrgangs 2025 hinsichtlich der noch benötigen Versicherungsjahre. Nur 18 Prozent haben keine Jahre fehlend, 82 Prozent benötigen zusätzliche Versicherungszeiten. Größte Gruppen: 19 Prozent mit bis zu 2,5 fehlenden Jahren, 18 Prozent mit 6-10 Jahren, 15 Prozent mit 3-5 ausstehenden Jahren. Besonders stark betroffen: 12 Prozent brauchen mehr als zwei Jahrzehnte zusätzlichen Versicherungszeitraum.

Zwei Drittel bliebe Pensionsantritt verwehrt

Mit einer Verpflichtung von 45 Versicherungsjahren hätten 44.037 Personen (19.620 Männer und 24.417 Frauen) letztes Jahr nicht in Pension gehen dürfen. Das entspricht zwei Dritteln des Pensionsjahrgangs 2025.

Während 17.009 Männer und 5.487 Frauen bereits 45 Versicherungsjahre erreicht haben, müssen die verbleibenden Personen zwischen wenigen Monaten und mehr als zwei Jahrzehnten länger arbeiten. Mehr als 20 Jahre fehlen bei 2.756 Männern und 3.675 Frauen.

Balkendiagramm mit dem Titel „Die Mehrheit müsste noch länger arbeiten bis zur Pension“ zeigt die Anzahl von Männern (orange) und Frauen (grün) aus dem Pensionsjahrgang 2025 denen für 45 Versicherungsjahre noch benötigte Jahre fehlen. 17.009 Männer und 5.487 Frauen haben bereits 45 Jahre erreicht. Bei fehlenden Jahren überwiegen in fast allen Kategorien die Frauen.

Im Durchschnitt fehlen Personen im Pensionsjahrgang 2025 63 zusätzliche Versicherungsmonate (5,3 Jahre) um auf die 45 Jahre zu kommen. Bei den Männern sind es 43 Monate (3,6 Jahre) und bei den Frauen 90 Monate (7,5 Jahre).

"Der Pensionsantritt mit der Pflicht von 45 Versicherungsjahren zu verbinden, ist de facto eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters durch die Hintertür. Besonders bedenklich dabei ist, dass Menschen kurz vor der Pension die höchste Arbeitslosenquote aller Altersgruppen haben. Bevor die Regierung überhaupt darüber nachdenkt, das Antrittsalter anzuheben, muss sie den Arbeitsmarkt entsprechend vorbereiten und Unternehmen in die Pflicht nehmen Arbeitsplätze für Ältere zu schaffen und sie auch im Job zu behalten. Ansonsten schickt sie etliche Menschen in die (Langzeit-)Arbeitslosigkeit vor der Pension", erläutert Nicolas Prinz, Ökonom am Momentum Institut.

Die Erhöhung des Frauenpensionsantrittsalters zeigt bisher keinen nachhaltigen Erfolg. Seit drei Jahren steigt das gesetzliche Pensionsantrittsalter der Frauen schrittweise von 60 Jahren an. In den letzten drei Jahren ist die Frauenbeschäftigung zwar unter den 60-64-Jährigen um 52.408 Frauen gestiegen. Doch dieser Effekt hat seinen Preis. Die Wirtschaft läuft schwach, was dazu führt, dass Jobs fehlen, die ältere Beschäftigte länger besetzen, weil sie erst später in Pension dürfen. Dies geht zu Lasten junger Menschen beim Berufseinstieg sowie Menschen im besten Erwerbsalter bei der Arbeitssuche und älteren Frauen, die, statt in die Pension zu wechseln länger in der Arbeitslosigkeit verharren müssen. Die Arbeitslosigkeit (insgesamt) stieg im gleichen Zeitraum um 53.620 Personen.

Das Momentum Institut betont, dass diese Entwicklung nicht zielführend sei. Stattdessen empfiehlt die Denkfabrik, Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, etwa durch ein Bonus-Malus-System, ältere Beschäftigte auch tatsächlich anzustellen und bis zur Pension im Betrieb zu halten. Altersgerechtes Arbeiten stellt dabei ein wichtiges Instrument dar, um nachhaltige Beschäftigung bis zum regulären Pensionsalter zu ermöglichen. "Doch die aktuellen Zahlen zeigen: Ohne vorab Maßnahmen drohen soziale Härten, insbesondere für Frauen und Geringbezahlte. Darüber hinaus ist ein Arbeitsleben bis ins hohe Alter von 85 Jahren für die meisten utopisch", so Prinz abschließend.